Deut­scher In­no­va­tions­preis für Su­pra­lei­ter-Projekt

Die AmpaCity-Partner von RWE, KIT und Nexans feiern die Übergabe des Innovationspreis für Klima und Umwelt. (Bild: IKU)

Die AmpaCity-Partner von RWE, KIT und Nexans feiern die Über­gabe des Inno­va­tions­preis für Klima und Umwelt. (Bild: IKU)

Seit gut zwei Jahren spielt das längste supra­leitende Kabel der Welt in der Essener Innenstadt seine Vorteile aus. Es hat rund 35 Millionen Kilowatt­stunden Strom übertragen, was einer Energie­lieferung an 10.000 Haushalte entspricht. Das Projekt AmpaCity zeigt damit auf, wie die Stromnetze für die Zukunft fit gemacht werden könnten. Dafür hat die Bundes­umwelt­ministerin Barbara Hendricks den Projekt­partnern, unter ihnen Mathias Noe vom KIT, den Deutschen Innovations­preis für Klima und Umwelt in der Kategorie Umwelt­freundliche Technologien verliehen.

„Für die Energiewende brauchen wir intelligente und effiziente Energie­netze. Nur so schaffen wir es, die erneuer­baren Energien optimal und nachhaltig ins Energie­system zu integrieren“, sagt der Präsident des KIT, Holger Hanselka. „Daher forscht das KIT an wegweisenden Supraleiter-Technologien und verbindet Energie­forschung und Informations­technologie. Der Deutsche Innovations­preis für Klima und Umwelt für Ampacity mit dem KIT als Forschungs­partner bestärkt uns, diesen Weg entschieden weiterzugehen.“

„Mit AmpaCity konnten wir zeigen, dass die Hoch­temperatur-Supra­leitung den Weg von einer Nobelpreis-würdigen Idee hin zur wirtschaft­lichen Anwendung zurückgelegt hat“, erklärt Mathias Noe vom KIT. „Ich freue mich, dass dieser Meilen­stein mit dem Deutschen Innovations­preis für Klima und Umwelt gewürdigt wird.“

Die Hochtemperatur-Supra­leitung und damit der widerstands­lose Strom­transport bei minus 200 statt bei minus 270 Grad Celsius geht zurück auf die Forschung von Alex Müller und Johannes Georg Bednorz, die dafür im Jahr 1987 den Physik­nobelpreis erhielten. Durch die Eigenschaften des supra­leitenden Materials, einer besonderen Keramik, und dessen Kühlung auf minus 200 Grad Celsius wird das Kabel zu einem idealen elektrischen Leiter. Im Vergleich zu herkömmlichen Kabeln überträgt das moderne Supra­leiterkabel eine fünf Mal höhere Strommenge pro Kabel­querschnitt. In Essen ersetzt das 10.000-Volt-Supra­leiterkabel auf einem Kilometer Länge eine herkömmliche 110.000-Volt-Leitung. Seit der Inbetriebnahme am 30. April 2014 wurde über das Kabel rund 35 Millionen Kilowatt­stunden Strom übertragen, was einer Energie­lieferung an 10.000 Haushalte entspricht.

Dem Projekt AmpaCity ging eine ausführliche Studie unter Federführung des KIT zur technischen Machbarkeit und Wirtschaft­lichkeit einer Supraleiter­lösung auf der inner­städtischen Mittel­spannungs­ebene voraus. Supraleiter­kabel sind die sinnvollste Möglichkeit, den Einsatz von Hochspannungs­kabeln in städtischen Netzen zu reduzieren, die Netzstruktur zu vereinfachen und die ressourcen- sowie flächen­intensiven Umspann­stationen zurückzubauen. Zwar ist die Übertragung hoher Leistungen in Innen­städten auch mit Kupfer-Mittel­spannungs­kabeln möglich, der Kosten­effizienz dieser Lösung stehen jedoch sehr viel höhere ohmsche Verluste gegenüber. Inner­städtische Verteilnetze gemäß der Vorstudie weitgehend auf 10.000-Volt-Supraleiter umzustellen und die Hochspannungs­anlagen zurückzubauen, würde mittelfristig zu mehr Effizienz, einem schlankeren Netz, sowie niedrigeren Betriebs- und Instand­haltungs­kosten bei gleichzeitig geringerem Flächen­verbrauch führen.

Die Projekt­partner von AmpaCity sind RWE als Netz­betreiber, der Kabel­hersteller Nexans, der neben dem Energiekabel auch einen supraleitenden Kurzschluss-Strom­begrenzer für den Testbetrieb lieferte, und das Karlsruher Institut für Technologie, das den Feldversuch wissenschaftlich begleitet. Das Bundes­ministerium für Wirtschaft und Energie hat 5,9 Millionen Euro Fördermittel zum Gesamtbudget von 13,5 Millionen Euro beigetragen. (Quelle: KIT)

Links: AmpaCity, RWE, EssenNexans, HannoverKIT-Zentrum für Energie, Karlsruhe • IKU Innovationspreis

Weitere Beiträge: Supraleiterkabel versorgt zuverlässig 10 000 Haushalte, energyviews.de, 28. Oktober 2014Weltweit längstes Supraleiterkabel eingeweiht, energyviews.de, 7. Mai 2014

Speak Your Mind

*