BMBF star­tet größ­te For­schungs­ini­tia­tive zur Ener­gie­wende

Forschungsministerin Johanna Wanka stellt mit Robert Schlögl (MPG) die Kopernikus-Projekte vor. (Bild: BMBF)

Forschungsministerin Johanna Wanka stellt mit Robert Schlögl (MPG) die Kopernikus-Projekte vor. (Bild: BMBF)

Das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung BMBF gab gestern die vier ausgewählten „Kopernikus-Projekte für die Energie­wende“ bekannt. In diesen Projekten werden über einen Zeitraum von zehn Jahren gemeinsam von Wissen­schaft, Wirtschaft und Zivil­gesellschaft techno­logische und wirtschaftliche Lösungen für den Umbau des Energie­systems entwickelt. Mit dem Start der Kopernikus-Projekte geht die größte Forschungsinitiative zur Energiewende in vier Schlüssel­bereichen in die Umsetzung: Der Entwicklung von Stromnetzen, der Speicherung über­schüssiger erneuerbarer Energie durch Umwandlung in andere Energie­träger, der Neuaus­richtung von Industrie­prozessen auf eine fluktuierende Energie­versorgung und dem verbesserten Zusammen­spiel aller Sektoren des Energie­systems.

„Wir werden zeigen, dass eine sichere, bezahlbare und saubere Energie­versorgung machbar ist, ohne auf Wohlstand und Arbeits­plätze zu verzichten“, sagte Bundes­forschungs­ministerin Johanna Wanka. „Bis 2025 bringen wir neue Energie­konzepte auf den Weg, die im groß­technischen Maßstab angewendet werden können – und die auch gesell­schaftlich mitgetragen werden.“

Die vier Projekt-Konsortien hat ein inter­nationaler und unab­hängiger Beirat zur Förderung empfohlen. Wichtige Auswahl­kriterien waren die Relevanz für das Energiesystem, Konzeption und die Kompetenz der Partner. Die Projekte müssen interd­isziplinär zusammengesetzt sein und Vertreter gesell­schaftlicher Interessen­gruppen einbeziehen. Die Kopernikus-Projekte haben eine erhebliche Mobilisierungs­wirkung in Wissenschaft und Wirtschaft entfaltet: Insgesamt haben sich rund 1000 Institutionen in 41 Projekt­vorschlägen beworben. Jede zweite Institution war hierbei ein Partner aus der Industrie. 230 Institutionen werden nun die Projekte umsetzen. Auf folgenden Feldern werden die Konsortien aktiv.

Neue Netz­strukturen: Der Zuschlag geht an das Konsortium Ensure unter der Leitung von Holger Hanselka des Karlsruher Institut für Technologie, der RWTH Aachen, E.on, TenneT TSO, Siemens und ABB. Insgesamt sind an diesem Projekt 21 Partner beteiligt. Das Konsortium hat den über­zeugendsten Antrag abgeliefert, wie durch eine Kombination von dezentral und zentral erzeugtem Strom die Kosten für den Netzumbau verringert werden könnten.  Nach derzeitigem Stand wird der Netzumbau bis zum Jahr 2025 mit bis zu 34 Milliarden Euro veranschlagt.

Speicherung von Überschuss­strom – Power-to-X: Den Zuschlag erhielt das Konsortium unter der Führung von Walter Leitner von der RWTH Aachen, dem Forschungs­zentrum Jülich und die Dechema – Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. Insgesamt sind in diesem Projekt 62 Partner beteiligt. Das Projekt möchte die großtechnische Voraus­setzungen erarbeiten, um mehr als 90 % der zukünf­tigen Erneuer­bare Energien-Überschüsse in Form von chemischen Grundstoffen, gasförmigen Energie­trägern und Kraftstoffen zu speichern.

Industrieprozesse (Themenfeld 3): Der Zuschlag ging an das Projekt SynErgie unter der Leitung von Eberhard Abele der TU Darmstadt und der Uni Stuttgart, die ein Konsortium von 83 Partnern anführen. Das Projekt SynErgie soll erstmals in Deutschland branchen­übergreifend demonstrieren, wie gerade energie­intensive Produktions­prozesse an eine schwankende Energie­versorgung angepasst werden können. Durch diese Maßnahmen könnten die Energie­versorgungs­kosten der Industrie bis 2020 um schätzungs­weise mehr als zehn Milliarden Euro verringert werden – bei erheblicher Reduzierung der CO2-Emissionen.

Systemintegration (Themenfeld 4): Ortwin Renn vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) Potsdam leitet das Projekt ENavi zur System­integration mit 64 Partnern. ENavi betrachtet die Energiewende als einen gesamtgesell­schaftlichen Veränderungs­prozess. Auf diesem Wege wird das Projekt dazu beitragen, die Energiewende mit größtmöglicher Akzeptanz voran zu treiben. Die erwarteten Erkenntnisse erlauben zudem eine Abschätzung des Markt­potentials verschiedener Technologien.

Die vier Konsortien werden in diesem Jahr mit  den Forschungs­vorhaben beginnen. Die Projektlaufzeit ist in drei Phasen unterteilt, so dass eine Anpassung an aktuelle Entwicklungen und Forschungs­ergebnisse möglich ist. Auch innerhalb der Projekt­phasen werden unabhängige Experten die Fortschritte fortwährend begleiten und evaluieren. Die zunehmende Dynamik und steigende Komplexität im Energie­bereich spiegelt sich in der flexiblen Zusammen­setzung der Konsortien wider. Aus diesem Grund sollen während der Laufzeit weitere Partner die Möglichkeit erhalten, ihre Expertise in die Konsortien einzubringen. Dazu wird das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung zusätzlich eine Ausschreibung im Jahr 2017 veröffent­lichen.

Für die erste Förder­phase bis 2018 stellt das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung bis zu 120 Millionen Euro bereit. Für die Kopernikus-Projekte sind zwei weitere Phasen vorgesehen, die in eine Gesamtlaufzeit von bis zu zehn Jahren münden. Bis 2025 sollen dafür weitere 280 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Mit dieser lang­fristigen Ausrichtung ergänzen die Kopernikus-Projekte die bisherige Forschungs­förderung der Bundesregierung. Die Projekte starten zunächst mit einem breit angelegten Forschungs­ansatz, der sich bis 2025 auf die aussichts­reichsten Lösungen fokussieren wird. So soll der Brückenschlag von der Grundlagen­forschung bis in die groß­technische Anwendung gelingen. (Quelle: BMBF)

Links: Kopernikus-Projekte, BMBF, Berlin

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