Verkehrswende kommt langsam in Fahrt

Anzahl Elektro-Pkw pro 1000 Fahrzeuge nach Bundesländern 2016 (Bild: AEE)

Anzahl Elektro-Pkw pro 1000 Fahrzeuge nach Bundesländern 2016 (Bild: AEE)

Der Verkehrs­sektor ist nach wie vor eines der großen Sorgen­kinder bei den deutschen Klimaschutz­bemühungen. Die angestrebte Wende bei den im Verkehrs­sektor genutzten Techno­logien und Energieträgern kommt aber langsam in Fahrt. Sowohl Elektro- als auch Hybrid­autos und damit die Möglichkeit zum verstärkten Einsatz erneuer­baren Stroms finden zunehmend Anklang. Die Anzahl der Neuzu­lassungen der Elektroautos in Deutschland hat sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte auf 12.363 erhöht (+45,1 %). Insgesamt fahren die meisten Elektro-Pkw inzwischen in Bayern (Anfang 2016: 5.760); gemessen am gesamten Fahrzeug­bestand holt jedoch Berlin mit 1,23 Elektro­autos pro 1.000 Pkw den Spitzenrang.

Um die Klimaziele Deutschlands sowie die Ver­pflichtungen aus dem Über­einkommen von Paris einzuhalten, braucht es auch im Verkehrs­bereich eine grundlegende Wende. In diesem Sektor gab es in den letzten 25 Jahren kaum Reduktionen beim Treibhaus­gasausstoß, der Anteil Erneuerbarer Energien liegt dort bei 5,3 % und ist seit dem Höchststand von 6 % im Jahr 2012 sogar tendenziell rückläufig. „Neben nachhaltig produzierten Bio­kraftstoffen ist die erneuerbare Elektro­mobilität ein wichtiger Hoffnungs­träger für eine klima­freundliche Entwicklung im Verkehrsbereich. Auch wenn das ursprüngliche Ziel der Bundes­regierung von einer Million Elektro­fahrzeugen bis 2020 trotz der jüngst von der Bundes­regierung beschlossenen Kaufprämie voraussichtlich nicht erreicht wird, zeigen die jährlich steigenden Zahlen der Autos mit alter­nativen Antrieben immerhin eine leicht positive Tendenz“, kommentiert Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, aktuelle Zahlen des Kraftfahrt­bundesamtes zur Entwicklung von Elektro- und Hybridautos in den Bundes­ländern.

Die auf dem AEE-Bundes­länder­portal Föderal Erneuerbar einsehbaren Daten zeigen, dass in 12 der 16 Bundesländer ein Wachstum bei den Neuzu­lassungen von Elektro­autos gegenüber dem Vorjahr zu verbuchen ist. Neben dem Bundesland Hessen, wo die Zulassungs­zahl von 535 auf 4.005 um ca. 650 % sehr deutlich gestiegen ist großenteils aufgrund von Kurzzeit­zulassungen für den Export, stechen Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mit Wachstums­raten von 38-52 % besonders hervor. Auch relativ zur Gesamtzahl neu zugelassender Fahrzeuge nimmt Hessen mit 11,65 Elektroautos pro 1.000 Pkw insgesamt deutlich den ersten Platz ein, gefolgt von Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Beim Bestand an Elektro­autos hat Bayern mit nunmehr 5.760 Fahrzeugen (Vorjahr: 2053) die Führung übernommen und Baden-Württemberg (4.769) und Nordrhein-Westfalen (4.163) hinter sich gelassen. Doch auch Berlin, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt haben die Anzahl an Elektroautos um mehr als die Hälfte erhöhen können: Auf 1000 Fahrzeuge gerechnet erreichen besonders die drei Stadt­staaten Berlin (1,23), Hamburg (1,13) und Bremen (0,93) hohe Anteile an Elektro-Pkw.

„Bislang sind Bio­kraftstoffe die einzige nennenswerte Quelle für die Nutzung Erneuer­barer Energien beim Transport von Personen und Gütern. Deren Nutzungs­potenzial ist jedoch begrenzt, auch wenn sie weiterhin eine wichtige Rolle in einem nach­haltigen Verkehrs­system einnehmen werden. Für eine umfassende Energie­wende im Verkehr braucht es jedoch den großflächigen Umstieg auf alternative Antriebe. Damit kann erneuer­barer Strom im Verkehrs­sektor genutzt und so mehr Klimaschutz durchgesetzt werden – wenn auch wirklich Ökostrom beim Beladen der Batterien genutzt wird“, ergänzt Vohrer. Tatsächlich wird bisher über das Jahr gesehen nur rund ein Drittel des Stroms in Deutschland durch Erneuer­bare Energien zur Verfügung gestellt, Kohle ist weiterhin der dominierende Energie­träger. Damit sind Elektroautos bei Nutzung des durch­schnittlichen deutschen Strommixes nicht unbedingt klima­schonender als moderne Benzin- und Diesel­fahrzeuge. „Für eine nachhaltige Abwicklung des Verkehrs braucht es einen grund­legenden Wandel unserer Mobilitäts­kultur. Pkw-Verkehr, der nicht vermieden oder verlagert werden kann, muss mittel­fristig elektromobil und mit Ökostrom organisiert werden. Auch dafür braucht es weiterhin einen dynamischen Ausbau Erneuerbarer Energien“, so Vohrer abschließend. (Quelle: AEE)

Link: Agentur für Erneuerbare Energien AEE, Berlin • Mobilität, Bundesländer-Übersicht zu Erneuerbaren Energien, AEE, Berlin

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