Frankreich setzt auf Gezeitenkraftwerke

Turbine für das Gezeitenkraftwerk von Paimpol-Bréhat (Bild: C. Girard)

Turbine für das Gezeitenkraftwerk von Paimpol-Bréhat in Frankreich (Bild: C. Girard)

Ebbe und Flut bringen täglich riesige Wasser­massen in Bewegung. Gezeiten­kraftwerke sollen aus dieser Kraft Strom gewinnen. Doch bislang sind diese zu teuer. Die Lösung könnten Riesen­projekte bieten. Während Deutschland auf Wind- und Solar­energie setzt, versuchen es die Franzosen mit Turbinen unter Wasser. Das hat viele Vorteile.

Während der Kampf gegen den Klima­wandel zur globalen Priorität geworden ist, nimmt auch der Ausbau von hydro­kinetischer Energie konsequent zu. Er ist zu einem wettbewerbs­fähigen Sektor geworden, in dem Frank­reich sich an die techno­logische Spitze gesetzt hat. Das Großprojekt eines Gezeiten­kraftwerks von EDF und DCNS in Paimpol Bréhat zeigt die Exzellenz dieser Branche.

Der französ­ische Atom­onzern Électri­cité de France EDF und das irische Start-up Unter­nehmen Open­Hydro bauen zusammen im Meer vor der Küste der Bretagne das weltweit größte Gezeiten­kraftwerk. Die erste von insgesamt vier jeweils 16 Meter hohen Turbinen ist bereits seit Januar im regulären Einsatz. Zuvor war sie im Meer bereits ersten Funktions­tests unterzogen worden. Als nächstes sollen weitere Anlagen versenkt und der Netz­anschluss getätigt werden. Die erste Turbine wurde in 35 Metern Tiefe vor der Insel Bréhat nahe Paimpol in der Region Côtes-d’Armor installiert. Turbine und Meeres­grund­station wiegen zusammen 850 Tonnen und sind 22 Meter hoch. Beide Turbinen sollen bis zum Sommer 2017 ans Netz ange­schlossen werden und eine kumulierte Leistung von 1 MW liefern, genug Energie für mehr als 1.500 Haushalte zu versorgen.

Die Funktionsweise ist einfach: Die Gezeiten­strömung presst Wasser in die Turbine. Diese dreht sich dann wie der Dynamo an einem Fahrrad. Alle sechs Stunden wechselt die Strömungs­richtung beim Wechsel zwischen Ebbe und Flut. Jede Turbine der geplanten Anlage kann rund um die Uhr zwei Megawatt Energie liefern. Würde man das vorhandene Potenzial des Meeres voll ausschöpfen, könnten in Frankreich mindestens drei Atom­kraftwerke durch Gezeiten­kraftwerke ersetzt werden, schätzt EDF.

Um die Akzeptanz der Bevölkerung vor Ort zu sichern, wurden seit Beginn der Projekt­planung 2008 lokale Interessen­vertretungen einbezogen. Anders als bei Offshore-Wind­energie­anlagen sind keinerlei Fundamentbohrungen für die Errichtung des Gezeitenkraftwerks nötig, da die Turbinen lediglich auf dem Meeres­grund abgesetzt werden. Der künftige Einsatzort wurde von orts­ansässigen Fischern ausgewählt. Dabei handelt es sich um eine Schutzzone für Krusten­tiere und Hummer, wo die Fischer ohnehin nicht auf Fang gehen. An den für die Energie­produktion maßgeblichen Stellen herrschen Strömungs­geschwindig­keiten von mindestens drei Metern pro Sekunde. Solche strömungs­starken Orte gehören ohnehin nicht zu den Lebens­räumen der dortigen Fischarten. Zuvor wurde die Anlage monatelang im European Marine Energy Center auf den Orkney Islands in Schottland umfang­reich getestet. Der Testlauf verlief fehlerfrei. Zudem arbeiten die Gezeiten­turbinen völlig gleichmäßig und vorhersagbar – dank der gleich­mäßig wechselnden Gezeiten im sechs­stündigen Rhythmus.

Das weltweite Potenzial der Meeres­gezeiten­energie wird heutzutage auf zwischen 75 und 100 GW geschätzt. Fast vierzig Gezeiten­strom-Projekte laufen derzeit in über fünfzehn Ländern – darunter Frankreich, aber auch Japan, Norwegen, Kanada oder Groß­britannien. Groß­britannien verfügt über das größte Produktions­potenzial in Europa und hat bereits viele Erfahrungen gesammelt. (Quelle: idw, Französische Botschaft)

Links: Energie hydrolienne, Électricité de France EDF, Paris • Französische Botschaft in Deutschland, Wissenschaftsdienst • OpenHydro, Dublin, Irland

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