Ökostrom: ab damit unter Tage

Schicht im Schacht – bestimmte Kohleschächte eignen sich als Speicher für Ökostrom (Bild: RAG)

Schicht im Schacht – bestimmte Kohlezechen eignen sich, um die Energie von zeitweise zu viel produziertem Ökostrom in anderer Form speichern zu können. (Bild: RAG)

Alte Kohleschächte als Speicher für Ökostrom? Diese Idee scheint tatsächlich machbar. Das hat das Pilotprojekt auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop ergeben. Seit 2012 untersuchen Forscher der Universitäts­allianz Ruhr, ob sich ein unterirdisches Pumpspeicher­kraftwerk bauen lässt – nach 2018, wenn dort Schicht ist. Ende August haben die Partner erste Ergebnisse der Machbar­keits­studie vorgestellt. Zu dem Termin brachte Umwelt­minister Remmel einen Bescheid über 850.000 Euro für weitere Unter­suchungen mit.

Das Geld stellen das Land und der Bund bereit; NRW hat das Vorhaben bisher schon mit 1,3 Millionen Euro gefördert. Denn es ist bestechend: Ein unter­irdisches Pumpspeicher­kraftwerk würde dafür sorgen, dass der überschüs­sige Strom aus Wind- und Sonnen­energie nicht verloren geht. Das passiert, indem Wasser umgewälzt wird. Solche Kraftwerke haben sich über Tage bereits bewährt; bei Bürgern sind sie aber unbeliebt, da sie viel Platz brauchen.

Platz, den Stollen und Schächte bieten. Allerdings sind stillgelegte Zechen nicht geeignet, haben die fünfzig Forscher der Univer­sitäten Duisburg-Essen und Bochum sowie von RAG und DMT heraus­gefunden. Denn der Zustand dieser Anlagen ist nicht exakt bekannt – ein Risiko. Anders beim Bottroper Pütt. Er ist bis Ende 2018 voll in Betrieb, und auch die technischen Voraus­setzungen, etwa die Fallhöhen zwischen den Sohlen, stimmen.

„Prosper-Haniel ist geologisch und von der Infrastruktur her geeignet, um hier ein unter­irdisches Pumpspeicher­kraftwerk als geschlos­senes System umzusetzen“, sagt UDE-Professor André Niemann. Der Experte für Wasserbau und Wasser­wirtschaft leitet das Projekt. „Wir gehen von einem Speichervolumen von 600.000 Kubikmetern aus. Das heißt, bei voller Ladung bekäme man vier Stunden lang eine Leistung von etwa zweihundert Megawatt. Das reicht für 450.000 Haushalte.“

Rechtlich gibt es keine Bedenken, und auch die Bürger scheinen aufgeschlossen: In einer repräsen­tativen Umfrage hat eine große Mehrheit „Daumen hoch“ signalisiert, sollte irgendwann gebaut werden.

Aber das ist der Haken: Rechnen tun sich Pumpspeicher nicht. Jedenfalls nicht zurzeit, betont Prof. Dr. Hermann-Josef Wagner: „Zwar sind die Kosten einer untertägigen Anlage mit 600 bis 2400 Euro pro Kilowatt vergleichbar mit denen einer oberirdischen. Allerdings sind die regulatorischen Bedingungen in Deutschland gerade sehr ungünstig“, erklärt der Energie-Experte der RUB: „Für Stromspeicher etwa wird ein doppeltes Netzentgelt verlangt.“ So werde leider nicht wertgeschätzt, wie flexibel solche Kraftwerke auf die Stromnachfrage reagieren können.

Dennoch zeigten sich Umweltminister Johannes Remmel und RAG-Vorsitzender Bernd Tönjes bei dem Termin auf Prosper-Haniel optimistisch, dass aus alten Schächten einmal grüner Strom kommen wird. Das Ruhrgebiet sei prädes­tiniert hierfür, waren sie sich einig, auch was das Know-how angeht. So heißt es in der Machbar­keits­studie unter anderem, das Projekt ließe sich überwiegend mit Partnern aus NRW umgesetzen. „Die Industrie“, bestätigt Niemann, „hat schon jetzt großes Interesse.“ Der neue Förderbescheid wird helfen, dass es zunimmt.

Beteiligt sind mehrere Institute der Universitäten Duisburg-Essen und Bochum, das Rhein-Ruhr-Institut für Sozial­forschung und Politik­beratung RISP sowie die Unternehmen RAG und DMT. Die Idee unter­irdischer Pumpspeicher entstand 2010 an der UDE. Damals half eine Förderung des Mercator Research Center Ruhr, die Idee weiter zu verfolgen. (Quelle: UA Ruhr)

Link: Projekt Unterflur-Pumpspeicherwerke UPSW, Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft, Universität Duisburg-Essen

 

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