„Eine nach­hal­tige und sta­bi­le Ener­gie­ver­sor­gung braucht Speicher“

Prof. Reinhard Hüttl, Wissenschaftlicher Vorstand des GFZ, auf der Neujahrs­presse­konferenz (Bild: GFZ)

Der Umbau des Energiesystems hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, vor allem im Strommarkt. Dort liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei über dreißig Prozent. Allerdings hängt die Leistungs­fähigkeit der Windkraft- und Solaranlagen entscheidend vom Wetter ab. Dementsprechend sinkt der Anteil der Erneuerbaren an der Stromproduktion an bestimmten Tagen deutlich ab. „Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien ist es unerlässlich, sowohl Netze als auch Speicher­kapazitäten zu entwickeln und auszubauen, um eine sichere Versorgung zu gewährleisten“, sagte Reinhard Hüttl, Wissen­schaftlicher Vorstand des Deutschen Geoforschungs­zentrums, anlässlich eines Presse­gesprächs im Vorfeld des 2. Brandenburger Energiespeichertags, der heute am GFZ stattfindet.

Dabei ist nicht allein die Entwicklung des Strommarkts in den Blick zu nehmen. Im Wärme- und Verkehrs­sektor ist der Anteil der erneuerbaren Energien mit 13 beziehungsweise 5 Prozent wesentlich geringer – der Anteil fossiler Rohstoffe dementsprechend größer. Bei diesen beiden Sektoren spielt im Bereich der erneuerbaren Energien die Biomasse die absolut dominante Rolle. Insgesamt haben diese beiden Sektoren einen Anteil am Gesamt­energie­verbrauch von fast achtzig Prozent. „Wenn wir die Energiewende konsequent voranbringen wollen, dürfen wir uns nicht allein auf den Strommarkt fokussieren, sondern müssen ebenso eine Wärme- und Mobilitäts­wende schaffen“, sagte Hüttl. Das erhöhe den Bedarf nach leistungsfähigen Speichern zusätzlich.

„Der geologische Untergrund bietet im Vergleich zu allen anderen Speicher­optionen die größte Kapazität“, sagte Hüttl. Dazu zählen etwa Speicher­horizonte für Wärme oder Kälte. Ein Beispiel dafür ist der Berliner Reichstag. Dort werden aus Biodiesel über ein Blockheiz­kraftwerk Strom und Wärme erzeugt. Überschüs­sige Wärme wird im Untergrund gespeichert und im Winter wieder genutzt.

Eine weitere Möglichkeit sind Speicher für Methan/Erdgas oder Wasserstoff. Diese Gase können mit Hilfe von überschüssigem Strom gewonnen werden (Power to Gas) und können in großen unterirdischen Hohlräumen („Kavernen“), aber auch in porösem Gestein sicher gespeichert werden. Das zeigen Forschungs­projekte wie der CO2-Speicher in Ketzin. Dort hat das GFZ einen ganzen Speicher­zyklus erforscht: von der Bohrung über die Einlagerung hin zur Rückholung und zum Verschluss des Bohrlochs. Dabei haben die Forscher den Untergrund intensiv überwacht.

Soleinjektion (Bild: T. Kollersberger, GFZ)

Darüber hinaus ist der geologische Untergrund nicht nur als Speicher geeignet, sondern kann – in Form der Geothermie – auch eine zuverlässige Quelle für eine nachhaltige Energie­versorgung sein. Und das unabhängig vom Wetter. „Die Geothermie muss daher ein zentraler Baustein der Energie- beziehungs­weise Wärmewende sein“, sagte Hüttl.

Das GFZ hat jahrzehntelange Erfahrung in der Erforschung des geologischen Untergrunds. Dazu zählen Exploration von Geores­sourcen ebenso wie Speicherung und Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften. Nördlich von Berlin, in der Schorfheide, betreibt das GFZ die Geothermie-Forschungs­plattform Groß Schönebeck. Dort wird untersucht, wie diese nachhaltige und klima­freundliche Energiequelle zur Wärme- und Strom­gewinnung genutzt werden kann. Der Standort ist besonders interessant, weil Erkenntnisse von dort auf das gesamte Norddeutsche Tiefland und weitere Regionen Mittel­europas übertragbar sind.

Im Januar feierte das GFZ sein 25-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung am 2. Januar 1992 hat das Zentrum eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen. Von 312 Beschäftigten im ersten Jahr wuchs die Zahl der Mitarbei­terinnen und Mitarbeiter auf 1282, davon 467 Wissenschaft­lerinnen und Wissen­schaftler. Sie kommen aus mehr als sechzig Ländern und machen das GFZ zu einem der „interna­tionalsten“ Helmholtz-Zentren.

Der Brandenburger Energiespeichertag findet auf dem Telegrafenberg statt. Minister­präsident Dietmar Woidke eröffnet die Veranstaltung um 10.30 Uhr. (Quelle: GFZ)

Link: Forschungsthema Geothermische Energiesysteme, Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

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