Mehr Geld für Busse und Bahnen nötig

Viel zu wenig Oberleitungs­busse sind in Deutschland unterwegs aber langsam halten Akku-betriebene Elektro­busse Einzug wie hier in Mannheim auf der Linie 63. (Bild: Bombardier)

Schlechte Luft, Lärm, Staus, zu wenig Grün – viele Menschen in Städten plagen diese Probleme. In einer neuen Publikation skizziert das Umwelt­bundesamt UBA, wie eine Stadt der Zukunft aussehen kann, die lärmarm und grün ist und in der die Menschen umwelt­freundlich unterwegs sind. Kernelement dieser „Stadt für Morgen“ ist ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr. Ergänzt wird dieser um Fuß- und Radverkehr sowie elektrisch angetriebene, automatisiert fahrende Carsharing-Autos.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Saubere Luft, Ruhe und mehr Grün in der Stadt – das geht nur mit mehr Bussen und Bahnen und mit weniger Autos. Der öffentliche Personen­nahverkehr ist das Rückgrat der Stadt­mobilität. Er muss aber gestärkt werden und vor allem ausreichend finanziert sein. Wenn wir umwelt­schädliche Subventionen endlich abbauen und die Gelder in den ÖPNV umschichten, gelingt das auch.“ Möglich wäre das: Die umwelt­schädlichen Subventionen des Verkehrs­sektors belaufen sich derzeit auf mehr als 28 Milliarden Euro pro Jahr. Für einen leistungs­starken ÖPNV wären pro Jahr nur rund 11 Milliarden nötig (Angabe des Verbands Deutscher Verkehrs­unternehmen, VDV).

Vergleich der Pkw-Dichte in Großstädten mit Zielwert (Bild: UBA; Daten: Destatis 2017; KBA 2016; Statistik Austria 2016; Stadt Zürich 2017; UK DoT 2016)

Die Analyse des UBA zeigt außerdem: Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern benötigen nicht mehr als 150 Fahrzeuge pro tausend Einwohner, um eine uneinge­schränkte Mobilität anzubieten. Diese wären als Carsharing-Fahrzeuge unterwegs und könnten jederzeit von den Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden. Bei weniger als 150 Pkw brauchen die Fahrzeuge auch nahezu keine öffentlichen Stell­plätze mehr. Straßen und Parkplätze würden nach und nach zu Grün- und Aufenthalts­flächen oder zu Bauland, um inner­städtisch Wohnraum zu schaffen. Zudem bekäme der Radverkehr mehr Raum und es entsteht mehr Platz für den Ausbau des ÖPNV. In deutschen Großstädten mit über 100.000 Einwohnern gibt es derzeit im Schnitt etwa 450 Pkw pro tausend Einwohner.

Damit die Menschen in der Stadt für Morgen genauso mobil sind wie heute, müssen die Alternativen zum eigenen Pkw deutlich attraktiver werden. Dies belegt auch ein weiteres gerade abgeschlos­senes Forschungs­projekt des UBA: Demnach funktioniert Carsharing besonders gut, wenn es mit ÖPNV und Leihfahrrädern verknüpft ist. Carsharing kann jedoch nur maximal 15 Prozent der Verkehrsleistung in größeren Städten einsparen. Krautzberger: „Carsharing kann den ÖPNV ergänzen, aber nicht ersetzen. Wenn wir umweltfreundlich mobil sein wollen, geht das nur mit einem stark verbesserten ÖPNV. Unser Ziel sollte sein, ohne eigenes Auto in der Stadt genauso mobil zu bleiben. Es wird aber auch immer Autos in Großstädten geben, man kann eben nicht alles mit dem ÖPNV transportieren.“ (Quelle: UBA)

Link: „Stadt für Morgen“ (PDF), März 2017, 56 S., Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau

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