Durchschnittsreichweite von E-Mobilen durchbricht 250-km-Marke

Dank Verkaufszahlen und Akku-Kapazität dominieren die Tesla-Stromer, wie hier am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen (Bild: energyviews.de)

Eine der größten Sorgen potenzieller Käufer von Elektro­fahrzeugen bezieht sich auf die Reichweite, die sie mit einer Batterie­ladung zurücklegen können. Als Hürde für den Durchbruch der Elektro­mobilität wird dies jedoch in Zukunft von immer geringerer Bedeutung sein, wie die Berater in ihrem jährlichen „Fakten-Check Mobilität 3.0“ fest­stellen. Denn die Reich­weiten der neueren Modelle nehmen weiterhin stark zu.

Um den Wert zu ermitteln, gewichteten die Management­berater die Hersteller­angaben zur Reich­weite mit den jährlichen Verkaufs­zahlen der entspre­chenden Fahrzeuge. 2011 lag der durch­schnitt­liche angegebene Wert bei rund 150 Kilo­metern – für ein überwiegend innerstädtisches Fahrprofil bereits völlig ausreichend. 2014 gelang der Sprung über die 200-Kilometer-Grenze (Reichweite jeweils laut NEFZ-Zyklus mit geringem Autobahn-Anteil und Nebenverbrauchern wie Klimaanlage oder Heizung). 2016 erhöhte sich die durch­schnitt­liche angegebene Reich­weite aller verkauften Elektro­fahrzeuge auf gut 270 Kilometer. Dies entspricht einer Steigerung von rund 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Treiber dieser Entwicklung sind die 2016 neu auf den Markt gekommenen sowie die reichweiten­gesteigerten beste­henden Modelle. Das Tesla Model-X-100D kann laut Hersteller­angaben 565 Kilometer weit fahren, während der 2016er BMW i3 (33 kWh, 94 Ah) über 300 Kilo­meter, der Hyundai Ioniq-EV über 280 Kilometer und der neue Nissan Leaf (30 kWh) über 250 Kilo­meter Reich­weite verfügen, der Renault Zoë Upgrade 400 Kilo­meter. Auch die 2016er Upgrades der Tesla Limousine Model-S tragen zur Steigerung der durch­schnitt­lichen Reichweite bei.

„Um die Reichweite zu erhöhen, kann entweder eine größere Batterie zum Einsatz kommen – analog zu einem größeren Kraft­stoff­tank beim Verbrenner –, oder die Energie kann effizienter genutzt werden“, stellt Achim Kostron, Auto­mobil­experte bei Horváth & Partners und Co-Autor der Studie, fest. „Energie­verbrauch und -dichte haben sich in letzter Zeit nur minimal verbessert. Das heißt, dass die kontinu­ierlichen Steige­rungen, die wir beobachten können, auf den Einsatz größerer Batterien zurück­zuführen sind.“

Das reichweiten­stärkste Fahrzeug, das Tesla Model-S-100D, verfügt laut Herstellerangaben heute schon über eine Reichweite von 632 Kilometer. „Das Model-S war 2016, trotz seines vergleichs­weise hohen Preises, das am dritt­häufigsten zugelas­sene rein batterie­betriebene Fahrzeug in Deutschland. Das bestätigt, dass die strategische Entscheidung Teslas, auf reich­weiten­starke Modelle anstatt auf Stadtwagen für die Kurz­strecke zu setzen, richtig war“, erklärt Dr. Oliver Greiner, Partner und Leiter der Studie.

Es sieht alles danach aus, dass sich der positive Trend bei der Reichweite weiter fortsetzen wird, denn Hersteller wie Porsche, Audi, VW, Daimler und Ford haben bis 2020 E-Autos angekündigt, die deutlich über 300 Kilo­meter Reichweite schaffen werden. Opel verspricht beispiels­weise, dass der im Mai 2017 in Norwegen und später auch in Deutsch­land erschei­nende neue Ampera-e mehr als 520 Kilo­meter zurück­legen kann. Die Berater gehen daher davon aus, dass bis 2020 die neu zugelassenen reinen Elektro­autos im Durch­schnitt eine Distanz von zirka 450 Kilometern mit einer Batterie­ladung zurücklegen können.

Rund 69.000 Pkw fuhren Ende 2016 in Deutschland elektrisch. Das ist ein Plus von rund sechzig Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unter Elektro­autos versteht Horváth & Partners alle Fahrzeuge, die über extern zugefügten Strom oder Wasserstoff rein elektrisch fahren können. Dazu zählen rein batterie­betriebene Fahrzeuge (BEVs), Plug-in-Hybride (PHEVs), Elektro­fahrzeuge mit Range Extender (abgekürzt BEVx, EVREs oder EREVs) und Fahrzeuge mit Brenn­stoff­zellen (FCEVs). Unter der Prämisse, dass sich die Wachstumsrate der letzten drei Jahre unverändert fortsetzt, dauert es bis 2022, bis in Deutschland eine Million Elektro­fahrzeuge zugelassen sind.

Im Rahmen des „Fakten-Check Mobilität 3.0“ analysieren die Berater seit 2010 jährlich die Entwick­lung wesent­licher Treiber­größen der Mobi­lität in Deutschland. Auf der Grundlage der verwendeten Ist-Werte rechnen sie dabei das aktuelle Wachs­tums­momentum auf die kommenden Jahre hoch. Dieser Hoch­rech­nung werden entsprechende Ziel­werte gegen­über­gestellt. So lassen sich Aussagen zur Wahr­schein­lich­keit des Errei­chens relevanter Schlüssel­größen der Mobi­lität treffen. (Quelle: Horváth / energyviews.de)

Link: Fakten-Check Mobilität 3.0, Horváth AG, Stuttgart

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