Baden-Württemberg baut Förderung der Elektromobilität aus

Die Landesregierung weitet die Förderung der Elektro­mobilität in Baden-Württemberg deutlich aus. Das Kabinett beschloss am Dienstag die „Landes­initiative Elektro­mobilität III – Markt­wachstum Elektro­mobilität BW“. Mit ihr werden die Aktivitäten aus den beiden vorange­gangenen Landes­initiativen Elektro­mobilität I und -II fortgeführt und ausgebaut. Ziel sei es, Baden-Württemberg innerhalb Deutschlands zum Zentrum der Entwicklung und Produktion sowie zum Leitmarkt im Bereich der E-Mobilität zu machen.

43,5 Millionen Euro bringen die Ministerien für Wirtschaft, Verkehr und Wissneschaft von 2017 bis 2021 auf (Bild: WMBW; Klick für größere Version)

„Der Mobilitätssektor und insbesondere die Automobil­branche befinden sich in einem tiefgrei­fenden Veränderungs­prozess mit weitrei­chenden Folgen für die gesamte Wirtschaft des Landes und für viele zehntausend Arbeits­plätze. Wir haben daher mit der Automobil­wirtschaft den Schulterschluss gesucht und begleiten diesen Trans­formations­prozess mit dem Ziel, dass Baden-Württemberg als technologische Innovations­region bei der Entwicklung klima- und umwelt­verträg­licher Antriebs­formen an der Spitze steht“, sagte Minister­präsident Winfried Kretschmann (B90/Grüne). Dabei komme den baden-württember­gischen Hochschulen und Forschungs­einrichtungen eine zentrale Rolle zu. „Unsere Hochschulen und Forschungs­einrichtungen sind schon heute führend bei der Elektri­fizierung, Automati­sierung und Digitali­sierung im Fahrzeugbau und werden daher substanzielle Beiträge zur Entwicklung der nächsten Generation der Elektro­mobilität liefern“, so Kretschmann.

„Die Verkehrswende ist ein wichtiger und notwendiger Bestandteil der Energiewende. Nur wenn der Einstieg in eine emissionsfreie Mobilität gelingt, sind auch die Klimaziele von Paris erreichbar. Deshalb baut das Land die Förderung der Elektromobilität und der dazu notwendigen Ladeinfrastruktur weiter aus“, erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann (B90/Grüne).

Wirtschafts- und Arbeits­ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte: „Unser Selbstver­ständnis und unser innovations- und arbeits­markt­politi­sches Ziel als Industrie­standort muss es sein, Baden-Württembergs führende Rolle im Bereich Mobilität auch in Zukunft zu erhalten.“ Entsprechende Initiativen im Bereich neuer Mobilität müssten sich schnell und effizient in der Wert­schöpfungs­landschaft Baden-Württembergs niederschlagen. „Unser Ansatz ist es daher, mit verschiedenen Bausteinen insbesondere den Mittelstand in Baden-Württemberg gezielt dabei zu unterstützen, bei der Entwicklung und Produktion der Technologien kommender Fahrzeug­generationen und Mobilitäts­lösungen nicht nur mitzuwirken, sondern an führender Stelle zu agieren. Vor allem den mittel­ständischen Zuliefer­unternehmen wollen wir beim bevor­stehenden Wandel mit unserer Initiative eine Hilfe­stellung bieten“, so die Wirtschafts­ministerin.

Die vom Kabinett beschlossene Initiative für ein effektives Markt­wachstum der E-Mobilität gilt für die Jahre 2017 bis 2021. Sie wirkt komplementär zur Bundes­förderung und umfasst ein Volumen von insgesamt 43,5 Millionen Euro. Davon sind 25 für Initiativen des Verkehrs­ministeriums, 15 für Aktivitäten des Wirtschafts­ministeriums sowie 3,5 im Bereich des Wissenschafts­ministeriums vorgesehen. 8 Millionen Euro davon sollen noch in 2017 investiert werden.

„Das Verkehrsministerium verfolgt einen strategischen Ansatz beim Aufbau einer flächendeckenden öffentlich-zugänglichen Stromlade­infrastruktur für Elektro­fahrzeuge“, so der Verkehrsminister. Es gehe um den Aufbau von zweitausend Ladesäulen landesweit, damit künftig im Umkreis von zehn Kilometern stets eine Lademöglichkeit erreichbar ist. „Zudem werden ausgewählte Fahrzeug­flotten und innovative Vorhaben der E-Mobilität gefördert“, sagte Hermann. Die Förderung von Elektro-, Hybrid- und Brennstoff­zellen­bussen sowie von Elektro-, Plug-In-Hybrid- und Brennstoffzellen-Taxis werde fortgesetzt. Auch Carsharing- und Fahrschul­fahrzeuge sollen gefördert werden. Im Zuge der schnellen technologischen Entwicklung können sukzessive weitere geeignete Flotten identifiziert und gegebenenfalls in die Förderung aufgenommen werden. „Gemein­nützige Institutionen, insbesondere Pflege- und Sozial­dienste, unterhalten bedeutende Fahrzeug­flotten und sollen ebenfalls eine Förderung erhalten“, betonte der Verkehrs­minister. „In Umwelt­zonen ist es besonders wichtig, konventionelle Fahrzeuge durch saubere Antriebe zu ersetzen. Das schließt insbesondere die Citylogistik, Kurier-Express-Paket-Dienste, Liefer­dienste und die Einzel­handels­logistik ein.“

„Nach dem heutigen Beschluss des Ministerrats ist der Weg frei für die finale Ausgestaltung der Förder­kriterien, die somit zeitnah auf der Homepage des Verkehrs­ministeriums veröffentlicht werden können“, kündigte Hermann am Dienstag an. Die Möglichkeit, für neue Förder­tat­bestände Anträge einzureichen, werde mit der Veröffent­lichung der Förder­kriterien einhergehen. Die bisherigen Förderungen bleiben gültig.

Die Aktivitäten des Wirtschaftsministeriums innerhalb der Landes­initiative konzentrieren sich auf eine „Mittelstands­offensive Mobilität“, den Ausbau wirtschafts­naher Forschungs­infra­struktur im Bereich Elektro­mobilität sowie die Finanzierung von Pilot­vorhaben zur elektro­mobilen Logistik.

Die „Mittelstandsoffensive Mobilität“ zielt mit einem Fünf-Punkte-Plan darauf, den Mittelstand als größten Arbeitgeber im Land verstärkt in Entwicklung und Produktion neuer Mobilitäts­lösungen einzubeziehen. Dazu gehört unter anderem die Ausgabe neuer Fördergutscheine „Automotive und Elektromobilität“. „Diese basieren auf den überaus erfolgreichen Innovations­gutscheinen des Wirtschafts­ministeriums und sollen einzel­betriebliche Technologie- und Prozess­innovationen des Mittelstands auslösen“, so die Wirtschafts­ministerin. Zudem solle ein neues Technologie­transfer­programm „Innovative Mobilitäts­technologien“ die gemeinsame Forschungs- und Entwicklungs­arbeit von kleinen und mittleren Unternehmen und Forschungs­einrichtungen befördern. Weitere Bestand­teile der Offensive sind die Intensi­vierung von Netzwerk- und Gründungs­aktivitäten im Bereich neuer Mobilität, die Förderung interna­tionaler Kooperation und Präsentation sowie der Ausbau beruflicher Ausbildung und damit der Fachkräfte­sicherung im Themenfeld Mobilität.

„Mit den Investitionen in die wirtschaftsnahe Forschungs­infra­struktur unterstützt das Wirtschafts­ministerium den Auf- und Ausbau von Forschungs­produktions- beziehungs­weise Pilotlinien, um eine spätere Groß­serien­fertigung in Baden-Württemberg umsetzen zu können“, so Hoffmeister-Kraut.

Starke Wachstumsraten des eCommerce sowie immer individueller werdende Kundenwünsche und eine stark schwankende Nachfrage nach logistischen Leistungen sind der Hintergrund für die geplanten Pilot­vorhaben zur elektro­mobilen Logistik. „Die genannten Entwicklungen erfordern neue Logistik­systeme mit innovativen techno­logischen Lösungen und neuen Fahrzeug­konzepten sowie einer Vernetzung von Güter- und Informations­flüssen. Wir unterstützen deshalb den Einsatz von elektrisch betriebenen Fahrzeugen für die Logistik unter realis­tischen Bedingungen in Klein- und Mittel­städten“, kündigte die Wirtschafts­ministerin an. Anknüpfend hieran fördere das Wirtschafts­ministerium zudem die Forschung an – bisher nicht existierenden – Platt­formen, die die Verknüpfung des Einsatzes von Elektro­fahrzeugen mit in Echtzeit planbaren Reiseketten ermöglichen sollen. (Quelle: WMBW)

Link: e-mobil BW GmbH, Landesagentur für Elektro­mobilität und Brennstoff­zellen­technologie Baden-Württemberg, Stuttgart • Elektromobilität – Konzepte für nachhaltige Mobilität, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, Stuttgart

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