Team Abt jubelt: di Grassi gewinnt Formel-E-WM

Die Mahindra-Piloten Rosenqvist und Heidfeld (Bild, vor Daniel Abt) konnten erneut punkten und sorgten für Platz drei der Inder in der Teamwertung (Bild: FIA)

Der Jubel in der Box von Abt Schaeffler Audi Sport kannte keine Grenzen, als Lucas di Grassi am Sonntag nach 37 Runden die Ziellinie überquert und als neuer Champion der Formel-E feststand. Nach den Gesamtpositionen drei und zwei in den beiden ersten Jahren der Elektro-Rennserie hat der Brasilianer jetzt sein großes Ziel erreicht. Gleichzeitig feiert die deutsche Mannschaft erneut den zweiten Platz in der hart umkämpften Teamwertung der Formel-E.

Der Saisonabschluss in Montreal hatte sich zum echten Herzschlagfinale entwickelte. Tabellenführer Sébastien Buemi im e.dams Renault trennten vor dem ersten von zwei Rennen nur 18 Punkte von seinem schärfsten Rivalen Lucas di Grassi. Unglücklicherweise erwischte der Titelverteidiger nach Trainingsunfall und seiner nachfolgenden Disqualifikation im Rennen einen rabenschwarzen Samstag, während di Grassi seinen zweiten Saisonsieg landete und die Führung in der Fahrer-WM übernahm. Das Pech blieb dem Team auch am Sonntag treu, sodass der Schweizer sich dem Brasilianer geschlagen geben musste.


Die Highlights des Samstagsrennens (Video: FIA)

 

„Mit diesem Titel wird ein Traum wahr. Team, Familie, Freunde, Fans – ich könnte alle gleichzeitig umarmen“, jubelt di Grassi. „Wir hatten drei großartige Jahre mit vielen Emotionen und unvergesslichen Momenten, aber der heutige Erfolg ist die absolute Krönung und der verdiente Lohn für unseren einmaligen Teamspirit und Kampfgeist. Ich bin stolz darauf, Champion der Formel-E zu sein. Danke an alle, die das möglich gemacht haben.“

Nach Platz 3 in der Premierensaison und Platz 2 letztes Jahr dürfen sich Lucas di Grassi und das Team Abt Schaeffler Audi Sport in Montreal über den WM-Fahrer-Pokal freuen. Rechts: Jean-Eric Vergne mit seinem ersten ePrix-Sieg im Sonntagsrennen. (Bild: FIA)

Der 32-jährige Audi-WEC-Pilot, der mit seiner Frau Bianca schon seit Jahren in Monaco lebt, war einer der Väter der Elektro-Rennserie: Lange bevor die ersten Autos auf die Strecke gingen, unterstützte er Serienboss Alejandro Agag und dessen Stellvertreter Alberto Longo bei der Gestaltung und Konzeption der Formel-E und ist seitdem einer ihrer prominentesten Botschafter. Am 30. Juli 2017 schließt sich jetzt dieser Kreis – ein weiterer Grund, warum dieser Titel so besonders ist. Kaum jemand im Fahrerlager oder auf den Tribünen, der dem Ex-Formel-1-Fahrer diesen Erfolg nicht gönnt.

Die Saison 2016/2017 war für den neuen Champion ein hartes Stück Arbeit: Schnell war klar, dass die Kombination aus Titelverteidiger Sébastien Buemi und dem Renault-Werksteam nur schwer zu schlagen sein wird. Bis auf 43 Punkte war der Vorsprung des Schweizers zwischenzeitlich angewachsen. Vor den beiden Finalrennen in Montreal hatte di Grassi sich in New York City bis auf zehn Zähler in Schlagdistanz gebracht und belegt jetzt erstmals überhaupt in dieser Saison den ersten Tabellenplatz – zum perfekten Zeitpunkt.

2017er-Weltmeister Lucas di Grassi (rechts) mit seinem „Wingman“ Daniel Abt (Bild: FIA)

„Ich bin unfassbar glücklich. Heute sind wir dafür belohnt worden, dass wir niemals aufgegeben haben“, sagt Teamchef Hans-Jürgen Abt. „Dieser Titel steht für mich in einer Reihe mit dem ersten DTM-Triumph 2002. Auch damals ist uns als Underdog eine Sensation gelungen, die uns viele nicht zugetraut hätten. Mein Dank geht an Lucas, Daniel, das ganze Team, alle Partner und natürlich die Fans: Sie alle haben gezeigt, was möglich ist, wenn man zusammenhält und immer auf sich vertraut.“

Mit dem Finale in Montreal geht auch eine kleine Ära in der Formel-E zu Ende: Abt Sportsline übergibt seinen Startplatz an Audi, die werkseitig in die Serie einsteigen, die technische Entwicklung gemeinsam mit Schaeffler vorantreiben und künftig unter dem Namen Audi Sport Abt Schaeffler starten. Abt Sportsline bleibt dabei als Einsatzteam erhalten. „Der Titel von Lucas und unser zweiter Platz in der Teamwertung sind ein fantastischer Abschluss von drei aufregenden und schönen Jahren. Wir sind stolz darauf, 2014 ein Gründungsmitglied der Formel-E gewesen zu sein und hoffentlich ein paar Spuren in der Serie hinterlassen zu haben.“


Die Highlights des Sonntagsrennens (Video: FIA)

 

In den 33 Formel-E-Rennen der ersten drei Jahre erzielte Abt Schaeffler Audi Sport insgesamt 24 Podiumsplätze und ist damit das erfolgreichste Team im Feld. Sechs Mal gewann Lucas di Grassi ein Rennen – darunter auch der Sieg beim Debüt der Formel-E im September 2014 in Peking. Renault darf sich dennoch freuen: über den dritten WM-Titel in der dritten Saison. Auch nach zwei verpatzten Wochenenden in Nordamerika reichte der Vorsprung nach sechs Siegen in zwölf Rennen und 268 Punkten, damit sich die französische Equipe den Titel des Team-Champions erneut sichern konnte.

Bienvenue Mercedes – Welcome Porsche

Nach Audi und BMW vor wenigen Wochen haben jetzt auch die anderen deutschen Hersteller ihren Einstieg in die Elektro-Serie erklärt. Die Marke mit dem Stern verabschiedet sich zum Ende der Saison 2018 von der DTM und geht ab dem Folgejahr in der Formel-E an den Start gehen. Mercedes-Markenchef Jens Thiemer: „Die Formel-E ist für uns ein konsequenter Schritt, um die Leistungsfähigkeit unserer attraktiven batterieelektrischen Fahrzeuge der Technologiemarke EQ zu demonstrieren.“

Ebenfalls 2019 steigt Porsche mit einem eigenen Werksteam in die Formel-E ein. Im Gegenzug beendet das Unternehmen sein LMP1-Engagement in der FIA Langstreckenweltmeisterschaft WEC zum Saisonende 2017. Die Neuordnung leitet sich aus der Porsche-Strategie 2025 ab: Die Zuffenhausener setzen hier unter anderem auf einen Mix aus puristischen GT-Fahrzeugen und vollelektrischen Sportwagen wie dem ersten rein batteriebetriebenen Mission-E. „Einstieg und erfolgreiche Präsenz in der Formel-E sind die logische Konsequenz unserer Mission-E. Wachsende Freiheitsgrade für Eigenentwicklungen machen die Formel-E für uns attraktiv“, sagt Michael Steiner, Entwicklungsvorstand der Porsche AG. „Porsche setzt auf alternative und innovative Antriebskonzepte. Die Formel-E ist für uns das ultimative kompetitive Umfeld, um die Entwicklung von High Performance-Fahrzeugen in punkto Umweltfreundlichkeit, Sparsamkeit und Nachhaltigkeit voranzutreiben.“ Schon in diesem Jahr unternimmt Porsche erste Schritte zur Entwicklung des eigenen Formel-E-Rennwagens. (Quellen: FIA / Abt / Renault / Daimler / Porsche)

Links: Links: FIA Formula E, Fédération Internationale de l’Automobile, ParisFormel-E, ABT Sportsline GmbH, Kempten

Weitere Beiträge: New-York-ePrix: Audi und BMW machen Einstieg in Formel-E fest, energyviews.de, 18. Juli 2017

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