Lange Leitung für Lkws

In Baden-Württemberg entsteht bis Ende 2019 eine Teststrecke für schwere Lkw mit elektrischem Antrieb. Mit rund 16,8 Millionen Euro fördert das Bundesumwelt­ministerium das Pilotprojekt auf zwei Teilstücken der Bundes­straße 462 im Murgtal zwischen Gernsbach-Obertsrot und Kuppenheim mit einer Gesamt­länge der Elektrifi­zierung von etwa sechs Kilometern in beiden Fahrt­richtungen. Bundes­umwelt­ministerin Barbara Hendricks überreichte im September in Kuppenheim, Kreis Rastatt, dem Landes­verkehrs­minister Winfried Hermann den Förder­bescheid.

Bundesministerin Hendricks bei der Übergabe des Förderbescheids. (Bild: BMUB / I. Wagner)

Hendricks: „Um die Klima­schutz­­ziele zu erreichen, muss auch der Straßen­güter­verkehr klima­freund­licher werden. Elek­trisch betriebene Ober­leitungs-Lkw sind eine besonders inte­res­­sante Lösung auf dem Weg zu einem klima­neu­tra­len Güter­verkehr. Sie sind sehr ener­gie­effizient und ermög­li­chen mit wenig erneuer­­barem Strom viele emis­sions­freie Kilo­meter. Wir haben Oberleitungs-Lkws auf einer nicht-öffentlichen Teststrecke bereits seit mehreren Jahren erprobt. Jetzt ist die Techno­lo­gie reif für einen Test unter realen Bedingungen, ein­ge­bunden in die all­täg­­lichen Fuhren von Logis­tik-Unter­nehmen.”

Das Bundesumweltministerium fördert bereits seit Jahresbeginn den Aufbau von zwei Test­strecken für Elektro-Lkw in Hessen und Schleswig-Holstein. Die neue Teststrecke wird helfen, das Erfahrungs­spektrum nochmals deutlich auszuweiten. Hierzu Hendricks: „Jede der drei Pilotstrecken hat ihre eigene Strecken- und Verkehrs­charakteristik. In Baden-Württemberg wird das System erstmals auf einer Bundes­straße mit Ortsdurch­fahrten erprobt. Die B 462 zeichnet sich zudem durch eine besondere Tallage aus. Die Teststrecke steht daher exemplarisch für die besonderen Anforderungen auf Bundes­straßen mit teilweise sehr anspruchs­vollen straßenbau­lichen Verhältnissen.”

Die Teststrecke im Murgtal bietet aber auch eine Entlastung der örtlichen Bevölkerung von den Auswirkungen des Schwer­verkehrs: „Wenn wir auf der Teststrecke Diesel-Lkw durch Elektro-Lkw ersetzen, dann reduzieren wir damit den Ausstoß von Luftschad­stoffen und den Verkehrs­lärm. Das dient nicht nur der Lebens­qualität der Menschen vor Ort, sondern kann auch helfen die Verkehrsanbindung solcher Firmen­standorte und damit die Standorte selbst langfristig zu sichern”, so die Ministerin abschließend.

Verkehrsminister Hermann zeigte sich erfreut über das Pilotprojekt: „Elektrisch betriebene Lkw sind eine weitere Möglich­keit, den Güter­transport klima­freund­licher und umwelt­schonend zu gestalten. Die Landes­regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, dass Baden-Württemberg zu einem Wegbereiter einer nachhaltigen und modernen Mobilität der Zukunft wird. Dank der Förderung des Bundes leisten wir mit dem Feldversuch eWayBW Pionier­arbeit und können hier im Murgtal entsprechende Impulse setzen.” Der Minister wies darauf hin, dass es gerade im Murgtal interessante Querver­bindungen zur langen Tradition des Landes Baden-Württemberg als Wiege des Auto­mobilbaus gibt. So führt die Pilot­strecke am Daimlerwerk in Gaggenau vorbei, in dem ab 1895 das erste Serien­auto der Welt produziert wurde und das das älteste durchgehend genutzte Auto­mobil­werk der Welt ist. Hermann weiter: „Vor diesem Hinter­grund darf eWayBW umso mehr als Fingerzeig in die automobile Zukunft verstanden werden.”

Auf der Pilotstrecke werden jährlich über 500.000 Tonnen Papier und Pappe im 24-Stunden-7-Tage-Betrieb von drei Papier­herstellern in Obertsrot in ein Logistik­zentrum nach Kuppenheim verbracht. Damit ergibt sich pro Kalendertag die hohe Anzahl von durchschnittlich 64 Umläufen. In Summe legen die Oberleitungs-Lkw damit pro Jahr mehr als 250.000 Kilometer im Bereich der Oberleitungen zurück. „Es freut mich, dass wir eine Strecke mit einer so hohen Auslastung gefunden haben, denn diese Randbe­dingungen lassen belastbare Erkenntnisse aus dem Feldversuch erwarten”, führte Hermann weiter aus. In diesem Zusammenhang dankte er allen Projekt­beteiligten, insbesondere den beteiligten Speditionen Fahrner Logistics und Huettemann Logistics, die die Oberleitungs-Lkw ab 2020 in ihrem Unternehmen innerhalb realer Logistik­prozesse einsetzen werden. „Das breite Interesse und die Bereitschaft zur Mitwirkung an unserem Feldversuch zeigen eine Aufbruchs­stimmung, die wir nun gerne nutzen möchten, den Straßen­güter­verkehr umweltverträglicher zu machen. Ich bin mir sicher, dass dieses für das Land einmalige und herausragende Projekt eWayBW hierzu einen wertvollen Beitrag leisten wird”, zeigte sich der Minister abschließend überzeugt.

Das Verkehrsministerium in Stuttgart als Vorhaben­träger kooperiert bei diesem Pilotprojekt mit der Südwest­deutschen Verkehrs-AG (SWEG), dem Regierungs­präsidium Karlsruhe, dem Landkreis Rastatt sowie dem Konsortium Forschung e-WayBW, das aus dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovations­forschung ISI, der PTV Transport Consult GmbH, dem FZI Forschungs­zentrum Informatik und dem Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie besteht. Über diese acht Projektpartner hinaus gibt es neun weitere Projekt­beteiligte, die als assoziierte Partner in eWayBW eingebunden sind – dies sind die Spedition Fahrner GmbH, die Huettemann Logistics GmbH, die Casimir Kast Verpackung und Display GmbH, die Mayr-Melnhof Gernsbach GmbH, die Smurfit Kappa Baden Board GmbH, die Netze BW GmbH, die Bundesanstalt für Straßen­wesen, die e-mobil BW GmbH sowie der Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg. (Quelle: BMUB)

Link: Elektrische und hybridelektrische Mobilität, Profilregion Mobilitätssysteme Karlsruhe

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