Die Solarhäuser von Konrad Frey

In jeder Hinsicht ungewöhn­lich: Das Haus Zankel nahe Genf plante Frey ab 1976 für den da­ma­ligen CERN-Physiker Karl Zankel. (Bild: P. Eder)

Konrad Frey war ein Pionier. Er hat daten­basiert und wissenschafts­orientiert Solar­häuser geplant und gebaut. Bekannt sind er und sein Werk nur wenigen. Das soll ein vom öster­reichischen Wissen­schafts­fonds FWF unter­stütztes Projekt des Archi­tektur­theore­tikers Anselm Wagner ändern. „Die Archi­tektur Freys zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihre Form aus der Funktion heraus ent­wickelt“, sagt Wagner. Bereits 1972 hat Frey zusammen mit Florian Beigel das erste Solar­haus Öster­reichs ent­worfen – basie­rend auf seinen wissen­schaft­lichen Arbeiten zur Nutzung der Sonnen­energie seit Ende der 1960er Jahre.

Frey ist dennoch weitgehend unbekannt. Ein war ein Forschender, der nur wenig gebaut hat, und das noch dazu meist am Rand, in der Provinz. Abseits der Metro­polen. „Hätte er in Wien gear­beitet, wären seine ersten Arbeiten im Umfeld der Stadt ent­standen, seine Archi­tektur wäre längst schon Gegen­stand der Forschung“, ist Wagner über­zeugt.

In den vergangenen Jahren hat die Debatte um Nachhaltig­keit Fahrt auf­ge­nommen. Doch Wagner kriti­siert, diese drehe sich in erster Linie um Öko­nomie und Öko­logie, nicht aber um die Archi­tektur. „Das hat Folgen für die Land­schaft, in Form uninspi­rierter Null-Energie-Häuser. Die Ästhetik wird voll­kommen außer Acht gelassen“, kommen­tiert Wagner. Dabei finden wissen­schaft­liche Erkennt­nis, Stil­empfin­den und öko­lo­gischer Anspruch durch­aus zusammen. Das zeigen die Arbeiten Freys, der in den 1970 Jahren am Forschungs­zentrum Joanneum in Graz die Energie­beratung auf­baute.

Das Haus Zankel nahe Genf plante Frey ab 1976 für den damaligen CERN-Physiker Karl Zankel. Es ist in jeder Hin­sicht unge­wöhn­lich, ist eine aus­drucks­volle Raum­skulptur, ein Solar­labor, eine Versuchs­station. Es vereint aktive und passive Gewin­nung von Solar­energie und funktio­nelle Technik­begeis­terung mit post­modernem Witz. „Frey hat aus der Funktion heraus seine Formen gefunden. Er konnte gar keine Schule begründen. Es gibt keine Linie, kein Design, das er geprägt hat“, erklärt Wagner. Viel­mehr handele es sich bei den Bauten des Energie­beraters um eine absichts­lose Ästhetik. Wesent­lich sei indes der Begriff des „Environ­ments“, erklärt Wagner. „In dem Sinne, dass für Frey ein Haus nicht nur eine Wohn­maschine ist, sondern den physi­schen und psychi­schen Bedürf­nissen seiner Bewohner ebenso ent­sprechen muss, wie es sich in seine Um­ge­bung ein­fügt.“

Das Projekt sucht nun die Detailarbeit des Architekten fest­zu­halten, seine Zugänge frei­zu­legen und die Über­setzung von Erkennt­nis in Raum­ge­stal­tung nach­voll­zieh­bar zu machen. „Frey hat einen stark wissen­schaft­lichen Ansatz in seiner Archi­tektur“, betont Wagner. Das unter­scheide ihn von seinen Zeit­ge­nossen und Kollegen. Was ihn wiederum mit ihnen ver­bindet, ist die Eige­nschaft konse­quenten Quer­denkens. In seinem jüngsten Bau, seinem Privat­haus, setzte Frey aus­schließ­lich Standard­bau­ele­mente aus dem Bau­markt ein. „Er wollte damit“, erklärt Wagner, „belegen und beweisen, dass es mög­lich ist, günstig und mit gängigen Ele­menten ein Solar­haus zu errichten. Ein anspruchs­volles Solar­haus.“ (Quelle: FWF / pro-physik.de)

Links: FWF – Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Österreich • Anselm Wagner, Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften, Technische Universität Graz

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