Weltgrößte regelflexible Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage eingeweiht

Wasserstoff ist der Schlüssel zum Klimaschutz. Vor dieser Perspektive findet die Einweihung der welt­größten regel­flexiblen Elektrolyse-Wasser­stoff-Anlage mit der sogenannten Protone-Exchange-Membrane-Technologie in Hamburg-Neuhof statt. Bauherr des mehr als zehn Millionen Euro teuren Projekts zur Herstellung von Wasserstoff sind die H&R Ölwerke Schindler, eine Tochter­gesell­schaft der Hansen & Rosenthal KG GmbH & Co. KGaA. Das Herzstück der Anlage, ein von Siemens hergestellter Elektro­lyseur mit einer elek­trischen Leistung von fünf Megawatt, wird jährlich mehrere hundert Tonnen Wasser­stoff produzieren. Wasser­stoff, der nicht wie üblich der Energiegewinnung dient, sondern in den Prozessen der Raffinerie als Ressource wert­schöpfend eingesetzt werden soll.

Hamburgs Senator Frank Horch, H&R-Geschäftsfüherer Niels Heinz Hansen und Nils Hansen (Bild: H&R / Sybill Schneider)

Mit der Eröffnung der regelflexiblen Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage auf ihrem Raffinerie­areal in Hamburg-Neuhof machen die H&R Ölwerke Schindler einen großen Schritt in Richtung ihres Konzepts Grüne Raffinerie. Mehr als zehn Millionen Euro wurden in die Errichtung der Anlage zur Herstellung von Wasserstoff aus Strom und Wasser investiert. „Wir sind sehr stolz, dass wir mit H&R hier die bislang größte Anlage ihrer Art weltweit reali­sieren durften“, sagt Michael Weiss, Projekt­verantwort­licher bei der Siemens AG in Hamburg. Siemens setzt seit Jahren auf dezentrale Energie- und Speicher­systeme und macht sich für deren Etab­lierung im Rahmen der Energie­wende stark.

Zweieinhalb Millionen Euro der Investitions­summe vermittelte die Hamburger Umweltbehörde aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung der Europä­ischen Union EFRE. Hamburg setzt diese Mittel gezielt zur Förderung von Innovation und nachhaltigem Wachstum ein. Im Moment nutzt H&R den Wasserstoff innerhalb seiner Produktions­prozesse, um damit Spezialprodukte aus Mineralöl – etwa Paraffine, Weiß- oder Prozessöle, die für die Weiter­verarbeitung in Käserinden, Lippen­stiften, Druck­farben oder Auto­reifen herge­stellt werden – zu gewinnen.

„Tatsächlich ist für uns die Herstellung von Wasserstoff aus Wasser und Strom jedoch nur der erste Schritt unserer Langfrist­planung“, erklärt H&R-Geschäfts­führer Niels Heinz Hansen. „Perspek­tivisch wollen wir unsere bestehenden Anlagen und Stand­orte weiterentwickeln. Unsere heute über­wiegend fossilen Rohstoffe sollen zukünftig zunächst durch nach­wach­sende Quellen und auf lange Sicht durch syntheti­sierte Produkte, CO2 -neutral erzeugt mit nach­haltiger Energie, ergänzt werden“, betont Hansen. „Wir nutzen unsere bestehenden Anlagen, stellen uns aber zugleich der ökolo­gischen Verant­wortung und richten das Unter­nehmen somit nachhaltig erfolgreich aus.“

Diese Optionen illustrieren das Potenzial dieser Technologie für den Klima­schutz – deutlich über den Markt der Spezial­öle hinaus. „Regel­flexibel“ bedeutet, dass die Elektrolyse-Wasser­stoff-Anlage kurzfristige Mehr­angebote aus der Strom­produktion, etwa durch Wind­energie­anlagen, zur Herstellung von Wasser­stoff nutzen kann. Schon heute gehen zwei Prozent des möglichen Stroms verloren, weil in Deutsch­land temporär mehr Strom produziert als verbraucht wird. In der Konsequenz werden Photovoltaik- und Windkraft­anlagen abge­schaltet. Im Norden Deutsch­lands geht sogar rund fünfzehn Prozent des Strompotenzials verloren.

Anlagen zur Herstellung von Wasserstoff können als Puffer­speicher genutzt werden und stabilisieren in Phasen hoher alter­nativer Strom­erzeugung die Netze. Gleich­zeitig wird der so gewonnene Wasser­stoff in der Raffi­nerie als „Rohstoff“ für die Prozesse eingesetzt. „Sektorenkopplung heißt das Stichwort“, erklärt Hansen und betont noch einmal die Verknüpfung des Energie­sektors Strom mit einer stoff­lichen Verwend­barkeit des Wasser­stoffs im indus­triellen Maßstab. „Wir sehen uns in diesem Bereich als echten Inno­vations­führer.“

Derzeit setzt auch H&R noch auf den Basis­rohstoff Mineralöl. „Viel zu schade zum Verbrennen“, sagt Detlev Wösten, H&R-Geschäfts­führer, verantwortlich für Raffinerie­technologien. Daher hat es H&R durch die kontinu­ierliche Weiter­entwicklung ihrer Raffinerie­prozesse, wie Destil­lation, Raffi­nation und Entparaffi­nierung, geschafft, den Anteil der bei der Produktion anfallenden Rest­stoffe in den letzten Jahren auf knapp ein Viertel zu reduzieren. Rest­stoffe, die etwa als Heizöl verbrannt werden. Dazu hat maßgeblich die 2011 nach Investi­tionen von rund 45 Millionen Euro eröffnete Propan-Ent­asphaltie­rungs-Anlage beigetragen.

„Doch die Entwicklung bleibt nicht stehen“, unter­streicht Hansen. „Bis 2020 werden wir neunzig Prozent des Mineralöls für hoch­wertige Anwen­dungen verwerten.“ (Quelle: H&R)

Link: H&R GmbH & Co. KGaA, Salzbergen 

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