Vom Verkehrsverbund zum Mobilitätsanbieter

Alle Mobilitätsformen haben die Konsortialpartner des Projekts RegioMove im Blick (Bild: KVV, P. Hennrich)

Bus und Bahn oder Carsharing und Leihfahrräder: Für die Erfüllung individueller Mobilitäts­bedürfnisse gibt es heute viele Möglich­keiten – auch ohne eigenen Pkw. Die Mobilitäts­angebote in der Region Karlsruhe zu einem system­über­greifenden, vernetzten sowie umwelt- und anwendungs­freundlichen Angebot zusammen­zuführen ist das Ziel des Projektes RegioMove. Im Rahmen des mit rund fünf Millionen Euro vom Karlsruher Verkehrs­verbund KVV beauftragten Projekts will das Karlsruher Institut für Technologie gemeinsam mit regionalen Partnern ein neues Mobilitäts­konzept entwickeln.

„Verkehrsverbünde entwickeln sich gegenwärtig zu Mobilitäts­anbietern weiter“, erklärt Dr. Martin Kagerbauer vom Institut für Verkehrswesen am KIT, das mit Blick auf den Antrag und bei der ersten Umsetzungs­phase feder­führend agiert. Das Forschungsvorhaben will in den kommenden drei Jahren die Grundlagen schaffen für die Organisation und technische Umsetzung eines multimodalen Mobilitäts­verbundes sowie das Konzept für den Aufbau der hierfür notwendigen Infra­struktur. Mit dem neuen Konzept sollen unter anderem bislang getrennte Informations­plattformen, Tarifsysteme und Zugangs­möglich­keiten in einem nachhaltigen Gesamt­system vernetzt werden, das alle Verkehrs­mittel und deren Anbieter umfasst.

„Das Mobilitätsangebot, das in naher Zukunft über RegioMove zur Verfügung stehen soll, stellt einen echten Mehrwert für unsere Fahrgäste im Verbundgebiet dar. Unter­schiedliche Mobilitäts­angebote können dann unkompliziert miteinander verknüpft werden – komfortabel aus einer Hand“, hebt KVV-Geschäfts­führer Dr. Alexander Pischon hervor.

Neben der IT-Infrastruktur für ein smartes Infor­mations-, Buchungs- und Bezahlsystem sowie für geeignete Kunden­schnitt­stellen sollen im Zuge des Projektes vor allem sogenannte Ports entstehen – inter­modale Verknüpfungs­punkte, wo zum Beispiel an neuen und bereits bestehenden Haltestellen oder Knotenpunkten Mobilitäts­angebote und Informationen bereit­stehen, um unter­schied­liche Verkehrs­mittel zu verknüpfen.

Mit einer detaillierten Bedarfs- und Nutzungs­analyse entwickelt das KIT hierfür die Planungs­grundlagen. Die Analyse basiert auf dem „mikro­skopischen agenten­basierten Verkehrs­nachfrage­modell“ mobiTopp des KIT. Bei einer solchen Multi-Agenten-Simulation repräsentieren Agenten im Computer jeden Einwohner in der Region mit seinen spezifischen Eigen­schaften und Rahmen­bedingungen – im Falle des Großraums Karlsruhe werden rund eine Million Menschen so abgebildet. Grundlage hierfür sind unter anderem die Ergebnisse von Verkehrs­befragungen und Struktur­daten.

Der Agent bestimmt mit Hilfe eines „Aktivitäten-Programms“ seine Reiseziele und entscheidet sich für bestimmte Wege und Verkehrs­mittel. Um die Mobilitäts­gewohnheiten abzubilden, wird das Verhalten aller Einwohner über den Zeitraum von einer Woche modelliert. So können die Wissen­schaftler den Ist-Zustand erfassen und Zukunfts­szenarien unter veränderten Rahmen­bedingungen erstellen. mobiTopp soll in RegioMove so weiter­entwickelt werden, dass auch inter­modale Wege – Kombina­tionen von Verkehrs­mitteln auf einer Wegstrecke – aller Personen modelliert werden können.

mobiTopp ist ein Leuchtturmprojekt im Rahmen der RegioWin-Ausschreibung. Fördernehmer ist der Karlsruher Verkehrsverbund. Der KVV erhält in den kommenden drei Jahren vom Land Baden-Württemberg und der Europä­ischen Union insgesamt rund 6,6 Millionen Euro Förder­mittel. Davon sind zirka fünf für die Forschungs- und Entwicklungs­arbeiten durch das Konsortium rund um das KIT vorgesehen. 1,5 Millionen Euro stehen für die bauliche Umsetzung der Ports zur Verfügung. Projekt­partner sind neben dem KIT der Regional­verband Mittlerer Oberrhein, die Hochschule Karlsruhe, die INIT GmbH, Stadtmobil CarSharing, raumobil, die PTV Group, das FZI Forschungs­zentrum Informatik am KIT, der KVV sowie die Stadt Karlsruhe und das Landratsamt Rastatt. (Quelle: KIT)

Link: KIT-Zentrum Mobilitätssysteme, Karlsruher Institut für Technologie

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