Audis Aufhol­jagd

Einen Steinwurf von Eiffel­turm und Inva­liden­dom arbeitete sich Lucas di Grassi mit seinem Audi von Start­platz 6 bis auf 2 vor (Quelle: Audi, Michael Kunkel)

Auch beim achten Lauf der Elektro-Rennserie Formel-E in Paris haben Lucas di Grassi und Daniel Abt die Zuschauer mit spektakulären Aufholjagden elektrisiert. Nach einem schwierigen Qualifying machten die beiden Audi-Piloten im Rennen insgesamt elf Positionen gut. Di Grassi wurde zum dritten Mal in Folge Zweiter und verdrängt damit Teamkollege Abt, der von Startplatz 14 auf Rang 7 nach vorn fuhr.

Im Freien Training am Vormittag gelang dem amtierenden Champion di Grassi auf dem Stadtkurs in der Nähe des Eiffel­turms ein neuer Strecken­rekord. Team­kollege Daniel Abt war nur unwesent­lich langsamer. Im Quali­fying hatten beide Audi-Piloten bei relativ niedrigen Strecken­tempe­raturen jedoch Schwierig­keiten, die Reifen optimal zum Arbeiten zu bringen. Di Grassi verpasste die „Super Pole“ der Top Fünf um 0,005 Sekunden denkbar knapp. Abt war nur drei Zehntel­sekunden langsamer. Bei der extremen Leistungs­dichte der Formel-E fand sich der Deutsche dennoch auf Start­platz 14 wieder – und das auf einer Renn­strecke, auf der das Über­holen als besonders schwierig gilt.

Wie schon so oft in dieser Saison konnten beide Audi-Piloten die Stärken des Audi e-Tron FE04 im Rennen anschließend voll ausspielen. Abt überholte in der ersten Hälfte gleich sieben Konkur­renten. Kurz vor Rennende nutzte er den Fanboost, um auch noch Ex-Champion Sébastien Buemi im Renault zu überholen. In der letzten Runde presste sich der Schweizer mit einem Gewalt­manöver wieder an Abt vorbei.

Mit seinem Renault-Antriebsstrang trieb Jean-Eric Vergne seinen Techeetah von der Pole Position – besonders nach dem Fahrzeugwechsel in der Mitte des Rennens – ungefährdet als erster an der schwarzweiß karierten Flagge im Schatten des Eifelturms vorbei. (Bild: FIA)

Di Grassi machte am Start einen Platz gut. In der ersten Rennhälfte sparte er so viel Energie, dass er zwei Runden länger fahren konnte als die Führenden. Ein schneller Boxen­stopp brachte den Brasi­lianer auf Rang vier nach vorn. Mit einer Serie schnellster Renn­runden schloss er zur Spitze auf, überholte Rom-Sieger Sam Bird und in der letzten Runde auch noch den bis dahin Zweit­platzierten Lotterer, dem kurz vor der Ziel­linie der Saft ausging.

„Das war ein unglaubliches Rennen und ein extrem hartes“, sagte di Grassi nach seinem dritten zweiten Platz in Folge und seinem insge­samt 23. Podium in der Elektro-Renn­serie. „Im ersten Teil des Rennens habe ich Energie gespart. Im zweiten Teil konnte ich voll attackieren und den Pokal für Platz zwei holen. Ich bin über­glück­lich!“

Daniel Abt sagte: „Die Start­position war etwas enttäu­schend, aber im Rennen hatte ich gute Überhol­manöver. Ich hoffe, den Fans hat die Show gefallen. Leider habe ich in der letzten Runde noch einen Platz verloren, weil mein ‚bester Freund‘ Buemi der Meinung war, mich in der Schikane torpe­dieren zu müssen. Trotz­dem bin ich zufrieden. Danke auch für den Fanboost, den ich heute gut gebrauchen konnte. Beim nächsten Mal müssen wir uns besser qualifi­zieren, dann gibt es wieder einen Pokal.“

„Was für ein Rennen in Paris“, sagte Audi-Teamchef Allan McNish. „Vor allem die letzte Runde war sehr intensiv. Wir haben tolle Aufhol­jagden von Lucas und Daniel gesehen. Daniel ist mein Fahrer des Tages. In einem Meeting vor dem Rennen hat er gesagt, dass er in Paris überholen kann, auch wenn alle sagen, dass es unmöglich ist. Er hat Wort gehalten. Schade, dass ihm das harte Manöver von Buemi am Ende.“

„Wir hatten heute nicht das beste Quali­fying“, sagte Audi-Motor­sport­chef Dieter Gass. „Auf einer Strecke, auf der das Über­holen extrem schwierig ist, tut das besonders weh. Doch beide Fahrer sind exzel­lente Rennen gefahren, ganz besonders Daniel. Er hat schöne, saubere Überhol­manöver gezeigt – ohne zu großes Risiko, aber dennoch sehr ent­schlossen. Mit Lucas das dritte Podium in Folge zu holen war fantas­tisch.“


Highlights der Paris ePrix, Rennen 8, Saison 2017/18 (Quelle: FIA)

 
Vor den Augen von Audi-Chef Rupert Stadler verbesserte sich Audi Sport Abt Schaeffler in der Team­wertung der ABB-FIA-Formel-E-Meister­schaft auf den dritten Platz. Di Grassi schob sich in der Fahrer­wertung auf Rang fünf nach vorn und liegt vor dem Audi-Heim­spiel in Berlin am 19. Mai zwei Punkte vor seinem Team­kollegen Daniel Abt.

Lokal­matador Jean-Eric Vergne (Techeetah) konnte in Paris den Sieg vor vollge­packten Tribünen einfahren, Sam Bird (DS Virgin Racing) kam auf dem dritten Platz. Die weiteren deutschen Piloten Maro Engel (Venturi) und André Lotterer (Techeetah) belegten die Plätze 4 und 6, Nick Heidfeld (Mahindra) blieb mit Rang 11 denkbar knapp außerhalb der Punkte. (Quellen: FIA / Audi / eigene)

Links: FIA Formel-E, Formula E Holdings Ltd., Hongkong / LondonAudi Sport Abt Schaeffler Formel-E, Audi AG, Ingolstadt

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