Bund fördert Tests mit selbst­fah­ren­den E-Shuttles in Berlin

Auftakt des Pilot­betriebs: Dr. Henrik Haenecke, Dr. Sigrid Nikutta, Bundes­ministerin Svenja Schulze, Michael Müller, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Direk­torin des Klinikums Astrid Lurati (v.l., Bild: Charité / Gudath)

Patienten, Mitarbeitende, Besuche­rinnen und Besucher kommen an der Charité Berlin künftig mit autonom fahrenden Elektro-Bussen an ihr Ziel. In den weit­läufigen Anlagen des Charité Campus Berlin-Mitte und am Virchow-Klinikum bedienen jetzt Klein­busse der der Hersteller Navya und EasyMile mit zwölf Kilo­meter pro Stunde emis­sions­frei und elektrisch ein dichtes Halte­stellen­netz. Das Vorhaben „Stadt­verträg­liche Mobilität unter Nutzung elek­trischer automati­sierter Klein­busse – Stimulate“ ist ein Gemein­schafts­projekt der Berliner Verkehrs­betriebe (BVG) mit der Charité und dem Land Berlin und wird vom Bundes­umwelt­minis­terium mit 3,2 Millionen Euro gefördert.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Wir wollen erforschen, ob man mit diesem Ansatz mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen und so die Umwelt entlasten kann. Dabei geht es auch um die Frage, inwieweit Fahrgäste autonomes Fahren akzeptieren, um daraus für den weiteren Einsatz solcher Fahr­zeuge zu lernen. Digital vernetzte, emissions­freie Mobilität bietet eine große Chance, Umwelt- und Lebens­qualität in Stadt und Land mit flexibler Mobilität zu verbinden.“

Von den Herstellern Easymile und Navya sind die vier intelligenten Mini-Busse, die seit einem Monat ihre Runden auf drei festen Routen mit kurzen Halte­stellen­abständen drehen. Dabei stellt die Charité die Straßen- und Lade­infra­struktur zur Verfü­gung, die BVG übernimmt die Verant­wortung für den Betrieb der autonom fahrenden Fahrzeuge. Das Charité-Institut für medizinische Sozio­logie und Rehabilitationswissenschaft und die Berliner Senats­verwaltung werden im Rahmen des Verbund­projekts eine Studie zur Kunden­akzeptanz durchführen.

Seit Ende März rollen die elektrisch angetrie­benen Klein­busse an zwei Charité-Stand­orten (Bild: Charité / Peitz)

In der nun startenden Praxis­phase werden die Busse noch Begleit­personal an Bord haben, später soll ein voll­kommen fahrer­loser Betrieb getestet werden. Auf den beiden Test­geländen der Charité-Klini­ken ist die Umwelt- und Lärm­entlas­tung von beson­derer Bedeu­tung. Ein wichtiger Auftrag des Projekts ist auch, heraus­zufinden, ob autonome Fahr­zeuge geeignet sind, die beste­hende Lücke des ÖPNV auf der letzten Meile zu schließen. Denn für viele poten­zielle ÖPNV-Nutzer wäre ein Angebot „direkt von Tür zu Tür“ aus­schlag­gebend für die Wahl des ÖPNV.

Die BVG erwartet von dem Pilot­projekt wichtige Erkennt­nisse über Potenziale der noch jungen Technik, etwa als mögliche Ergänzung zum Hoch­leis­tungs-ÖPNV oder auf schwach ausge­las­teten Strecken. „Für uns ist klar, dass wir die Mobi­lität der Zukunft in unserer Stadt mitge­stalten und maß­geblich prägen werden“, sagte Dr. Sigrid Nikutta, Vorstands­vorsitzende und Vorstand Betrieb der BVG. Und ihr Vorstands­kollege Dr. Henrik Haenecke, unter anderem zuständig für die Digi­tali­sierung ergänzte: „Mit Projekten wie Stimu­late bauen wir unsere Kompe­tenzen weiter aus, um mit neuen Techniken einen noch attrak­tiveren Nah­verkehr anzubieten.“

Für den jetzt begonnenen Pilotbetrieb gibt es auf dem Campus Charité Mitte eine circa 1,2 Kilometer lange Strecke mit neun Halte­stellen. Auf dem Campus Virchow-Klinikum gibt es zwei Routen, eine mit circa 0,8 Kilo­metern Länge und acht Halte­stellen, eine mit rund 1,5 Kilometern und neun Halte­stellen. Alle Routen sind Ring­linien, haben also keine Anfangs- und End­halte­stellen. Unterwegs sind die kleinen Hightech-Busse zu Beginn montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr.

Das Bundes­umwelt­minis­terium fördert das Vorhaben aus dem Förder­programm „Erneuerbar mobil“. Mit diesem unter­stützt das BMU bereits seit 2009 markt­fähige Lösungen für eine klima­freund­liche Elektro­mobi­lität. Aus dem Programm hat das BMU bisher weit mehr als hundert Partner mit mehr als 250 Milli­onen Euro unter­stützt. (Quellen: BMU / BVG & Charité)

Link: BMUB / Erneuerbar mobil Projekt STIMULATE – Stadt­verträg­liche Mobilität unter Nutzung automati­sierter Kleinbusse

Weitere Beiträge: Bahn-Shuttle: autonom & elektrisch, EnergyViews.de, 26. Oktober 2017

 

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