Ruf­­bereit­­schaft für auto­­no­me E-Bikes

Das von Maschinenbauern, Informatikern, Logis­tikern und Umwelt­psychologen der Otto-von-Guericke-Univer­sität Magdeburg entwickelte selbst­fahrende E-Bike wird sich über eine Smart­phone-App zu jedem beliebigen Standort, wie hier zum Breiten Weg in Magdeburg, rufen lassen und nach Nutzung selbstständig in ein zentrales Depot zurück­bewegen. (Bild: H. Krieg, OVGU)

Ein Team aus Maschinen­bauern, Informatikern, Logistikern und Umwelt­psychologen der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist dabei, gemeinsam ein autonomes E-Bike zu entwickeln, das auf Anfrage selbst­ständig zum Nutzer navigiert. Ziel der Wissenschaft­lerinnen und Wissen­schaftler ist es, eine Rufbereit­schaft autonomer Lasten­räder in der Landes­haupt­stadt Magdeburg zu realisieren. In wenigen Jahren soll dann eine Flotte von E-Bikes den öffent­lichen und individu­ellen Nahverkehr ökologisch und ökonomisch wirkungs­voll ergänzen und in einem Bike-Sharing-System mit Fahrrad­ruf­funktion im Umfeld des Universitäts­campus Anwendung finden.

Über eine Smartphone-App wird sich das Fahrzeug zu jedem beliebigen Standort rufen lassen und nach Nutzung selbst­ständig in ein zentrales Depot zurück­bewegen. Den Fahre­rinnen und Fahrern werden variabel konfigu­rierbare Aufsätze zur Verfügung stehen, mit denen sich beispielsweise einfache Lasten transpor­tieren oder zusätzliche Personen, z. B. Kinder, befördern lassen.

Ein Prototyp des E-Bikes wird bereits in den nächsten Wochen im Magdeburger Straßen­verkehr getestet. Ausgestattet mit hochent­wickelter Messtechnik „erkennt“ das Lastenrad Bordsteine oder andere Verkehrs­teilnehmer und kann analysieren, welche Sensorik bei welchen Witterungs­bedingungen am besten geeignet ist. Zeitgleich wollen Umwelt­psychologen Umfragen mit potenziellen Nutzern des ungewöhn­lichen Fahrzeuges durchführen. „Besonders spannend ist für uns dabei, wie die Inter­aktion mit Passanten gestaltet werden kann und welche Faktoren sich auf die Akzeptanz des E-Bikes auswirken“, sagt Karen Krause vom Lehrstuhl für Umwelt­psychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Parallel dazu laufen Gespräche mit Verkehrs­planern, mit Vertretern des öffentlichen Nahverkehrs und den ÖSA-Versi­cherungen, um einen Testlauf in der Magdeburger Innenstadt umzusetzen.

„Eine der größten Herausforderungen des Projektes liegt in der fehler­toleranten Umgebungs­erfassung“, so der Informatiker und Junior­professor Sebastian Zug. „Also, in der zuverlä­ssigen Analyse, wo sich das Fahrrad global und – vor allem – in Bezug auf die intendierte Fahrspur befindet. Verstellen Hindernisse oder Personen diesen Weg, welche anderen Verkehrs­teilnehmer sind aktuell relevant? Diese Fragen müssen auch bei veränderlichen Witterungs­bedingungen und in ‚kniff­ligen’ Situationen sicher beantwortet werden können.“ Es müsse sichergestellt werden, dass das Fahrzeug zur richtigen Zeit am richtigen Ort sei, ergänzt Tom Assmann vom Institut für Logistik und Material­fluss­technik der Universität.

Diese Revolution im Kleinen, also der urbanen Mikro­mobilität, mache eine Vielzahl ingenieur­wissenschaft­licher, betriebs­wirtschaftlicher, sozial- und human­wissenschaft­licher Entscheidungen notwendig, so Junior­professor Stephan Schmidt vom Lehrstuhl Autonomes Fahren der Fakultät für Maschinenbau. „So könnte beispiels­weise eine effektive Strecken­führung wie die Überquerung einer vielbe­fahrenen Straße ohne Ampel erfordern, was technisch, juristisch, aber auch wahrnehmungs­psychologisch erhebliche Heraus­forderungen mit sich bringt.“

Die Wissenschaftler versprechen sich dennoch langfristig sinkende Unfall­zahlen, steigenden Komfort und eine höhere Effizienz des Verkehrs. „Schon ab 2020 könnte Magdeburg damit zum Vorreiter bei der Nutzung kleiner, umwelt­verträglicher autonomer Fahr­zeuge werden“, so Ingenieur Schmidt. „Selbst­fahrende Fahrräder, die sich auf dem Breiten Weg eigen­ständig zwischen Haupt­bahnhof und Unicampus bewegen, gehören dann vielleicht wie selbst­verständlich zum Stadtbild.“

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und ist in das Forschungs­projekt Netzwerk kooperative Systeme NekoS einge­bunden. (Quelle: OvGU)

Link: „NekoS“ Kooperations­netzwerk, ZPVP Zentrum für Produkt-, Verfahrens- und Prozess­innovationen GmbH, Experi­mentelle Fabrik Exfa, Magdeburg

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