Audi: Formel-E-Titel­gewinn im Pre­mie­ren­jahr

„Allez Bleus!“ hatte der Pariser auf seinen Heck­flügel lackiert – und bereits am Samstag den ersten franzö­sischen Welt­meister­titel des Wochen­endes klar gemacht. (Bild: FIA)

Herzschlagfinale in New York: Mit einer beein­druck­enden Aufhol­jagd hat sich das Team Audi-Sport-Abt-Schaeffler beim Saison­finale in seinem Premieren­jahr als Audi-Werksteam in der Formel-E noch den Titel in der Team­wertung gesichert. Vier Podest­plätze in den zwei Rennen am Wochen­ende, darunter ein Doppel­sieg, und insge­samt 78 von maximal 94 möglichen Punkten machetn aus einem fast uneinhol­baren Rück­stand von 33 Punkten auf das chinesische Renault-Kunden­team Techeetah am letzten Wochen­ende noch zwei Punkte Vor­sprung.

Bis zur letzten Runde war die Entschei­dung in der Team­wertung der Formel-E-Meister­schaft offen und hart umkämpft. Die Winzig­keit von zwei Punkten gab am Ende den Ausschlag. Lucas di Grassi über­querte im Sonntags­rennen nach 43 Runden auf dem Straßen­kurs in Brooklyn mit Blick auf Downtown Manhattan als Zweiter die Ziel­linie.

Am Schluss ganz oben: Jean-Eric Vergne (1.) hatte bereits vor dem letzten Rennen den Fahrer­titel sicher, die Audi-Piloten Lucas di Grassi (2.) und Daniel Abt (3.) schnappten Techee­tah aber noch die Team-Meister­schaft vor der Nase weg. (Bild: FIA)

Der Brasilianer machte sich mit seinem siebten Podest­platz in Folge – Formel-E-Rekord – zum Vize­champion. In den ersten vier Rennen der Saison fuhr di Grassi nicht einen einzigen Punkt ein, ab Rennen sechs stand er bei jedem Rennen auf dem Podium. „In vier Rennen keine Punkte und nun bin ich noch Zweiter der Fahrer­wertung – das ist ein kleines Wunder. Es wurde für mich und auch für unser Team dann noch eine heraus­ragende Saison. Wir geben niemals auf, der Team-Titel nach so einer unglaub­lichen Aufhol­jagd ist der beste Beweis dafür“, erklärte der Brasilianer.

Di Grassi holte in den vier Jahren, die es die Formel-E gibt, im Team von Audi-Sport-Abt-Schaeffler mit 611 Punkten mehr Zähler und mit 27 Podiums­platzie­rungen mehr als jeder andere Fahrer in der Elektro-Renn­serie. Unter Abt-Regie kam das einzige deutsche Team in der ersten Saison auf Platz drei, dann zweimal auf Platz zwei, zuletzt aber mit di Grassi als Fahrer-Champion.

Teamkollege Daniel Abt steuerte zum sensationellen Gewinn der Teamwertung im Finalrennen am Sonntag einen dritten Platz und damit 15 Punkte sowie einen Zähler für die schnellste Rennrunde bei. Es war die insgesamt vierte des 25-Jährigen, er ist damit der Fahrer mit den meisten schnellsten Renn­runden in dieser Saison. Insgesamt gelang dies Audi-Sport-Abt-Schaeffler sieben Mal in zwölf Rennen – Bestmarke aller Teams.

Den frenetischsten Jubel legte das Audi-Abt-Schaeffler Team hin, nachdem sie sich nach verkorkstem Saison­start im letzten Rennen noch den Titel ergattern konnten. Vorn: Daniel Abt und Lucas di Grassi, dahinter Team-Chef und Ex-Formel-1-, Le Mans- und DTM-Pilot Allan McNish (Bild: FIA)

„Wir hatten ein großes Ziel, und das haben wir geschafft. Was für ein Comeback – ich bin glücklich und freue mich für das ganze Team. Und das sind nicht nur alle hier an der Strecke, sondern auch alle Partner und die Mitarbeiter in Ingolstadt, Neuburg und Kempten“, erklärte Abt, der mit 120 Punkten, zwei Siegen und zwei weiteren Podestplätzen hier in New York seine mit Abstand erfolgreichste Saison in vier Jahren Formel-E fuhr – trotz Aberkennung des Siegs in Rennen 2 von Hongkong. In der Fahrerwertung belegt er damit den fünften Rang als bester Deutscher vor André Lotterer (Techeetah) auf 8, Nick Heidfeld (Mahindra) auf 11 und Maro Engel (Venturi) auf 12.

Lotterer wurde dabei am Sonntag zur tragischen Figur: Hinter Sebastian Buemi (e.dams-Renault) und vor seinem Team­kollegen, dem – seit Samstag – neuem Fahrer-Champion Jean-Eric Vergne, auf Startplatz 2 gelegen legte der Duis­burger einen Früh­start hin, der ihm eine 10-Sekunden-Durch­fahrts­strafe einbrachte und ihn zunächst aus den Punkte­rängen spülte. Während Buemi sukzessive durch­gereicht wurde, war „Jevs“ Techeetah am Sonntag für die Audis nicht zu knacken. Im Gegen­teil: Daniel Abt wurde sogar zwischen­zeitlich wieder von Buemi kassiert, konnte sich aber kurz darauf erneut den Meister­schaft-rettenden Platz 3 vom Schweizer – dem Champion aus Saison 2 – zurück holen.

Am Samstag herrschte nach Rennen 11 zwischen den Audi-Fahrern noch etwas dicke Luft, da sich di Grassi unange­kündigt an seinem Team­kollegen vorbei auf Position eins schob. Im Nach­hinein aber die richtige Entscheidung, nur sie machte die Fahrer-Vize­meister­schaft hinter dem Franzosen möglich und vor dem Briten Sam Bird (DS Virgin), für den an diesem Wochen­ende nicht viel lief und sich mit nur drei Punkten aus beiden Rennen dem Brasi­lianer quasi auf dem letzten Meter geschlagen geben musste.

Die fünfte Saison wirft schon ihre Schatten voraus – in Form des Gene­ration-2-Fahr­zeugs, das mit seinem größeren Akku den Fahr­zeug­wechsel in der Mitte des Ren­nens über­flüssig macht. (Quelle: Audi)

Teamchef Allan McNish erklärte am Sonntag: „Ja, wir mussten bis zur letzten Kurve und bis zur letzten Sekunde zittern, aber nun ist es wahr geworden: Team-Champion! Ich werde Lucas und Daniel nun ganz fest umarmen. Diese Saison war ein Auf und Ab, und sie haben immer ihr Bestes gegeben. Auch heute, als es wirklich drauf ankam, haben sie – wie heißt es so schön – ‚geliefert‘. Großes Danke auch an unser Basis­lager in Deutschland. Great job.“

Audi-Motorsportchef Dieter Gass ergänzte: „Als wir hier nach New York anreisten, war klar, dass das eine wirk­lich große Heraus­forderung wird. Dass es aber ein solcher Krimi werden würde, der bis zur letzten Kurve geht, hat uns allen den Atem geraubt. Ganz großes Danke an alle Mitar­beiter bei Audi Sport, Abt und Schaeffler auch daheim. Dieses Herz­schlag­finale hat wirk­lich elektri­siert.“

Im Rahmen des Formel-E-Finales bot Techno­logie­partner Schaeffler einen Blick in die Zukunft der Formel-E und lud am Samstag­abend knapp dreihundert Gäste – darunter die deutsche Botschaf­terin in den USA Dr. Emily Haber – auf eines der typischen New Yorker Rooftops und zeigte einen Proto­typ des spektaku­lären neuen Audi e-tron FE05, in dem erneut gemeinsam entwickelte Antriebs­technik von Schaeffler und Audi zum Einsatz kommt. Das erste Rennen Mitte Dezember in Riad, Saudi-Arabien, läutet die zweite Ära in der Formel-E ein – mit neuem Fahrzeug, das die gesamte Renndistanz ohne Fahrzeug­tausch absolvieren kann. Zudem kommen BMW als weitere Werks-Teams dazu, Mercedes und Porsche bereiten den Einstieg vor. (Quellen: Audi / FIA / eigene)


Highlights des Sonntag-Rennens (Quelle: FIA)

 

Links: FIA Formel-E, Formula E Holdings Ltd., Hongkong / LondonAudi Sport ABT Schaeffler Formel-E, Audi AG, Ingolstadt

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