Kon­stanz setzt auf kom­mu­na­le Ver­kehrs­wen­de

Wie die Verkehrs­wende in Schwung kommt, zeigt die baden-württembergische Stadt Konstanz: Für das Laden von Elektro­fahrzeugen bieten die hiesigen Stadt­werke Ökostrom an insgesamt elf Lade­punkten an. Zertifi­ziert ist der Strom mit einem strengen Ökostrom­siegel, das garantiert, dass auch tatsächlich Strom aus erneuer­baren Energien eingekauft und zusätzlich in den Ausbau der Erneuerbaren und in nach­haltige Elektro­mobilität investiert wird. Daher stellt die Agentur für Erneuerbare Energien heute Konstanz als Energie-Kommune des Monats vor. „Die Stadt Konstanz zeigt, wie Elektro­mobilität die Energie­wende im Verkehrs­sektor voran­bringen kann“, sagt Nils Boenigk, stellver­tretender Geschäfts­führer der Agentur für Erneuer­bare Energien. „Die Kombi­nation von Elektro­mobilität mit zertifi­ziertem Ökostrom sollte der Standard im E-Mobilitäts­bereich sein und immer zusammen­gedacht werden.“

Ladesäule der Stadt­werke Konstanz mit Öko­strom­siegel-zerti­fi­zier­tem Strom. (Bild: Stadtwerke Konstanz)

Konstanz hat sich mit dem Beitritt zum Klima­bündnis 1992 erstmals zu Emissions­minderungen verpflichtet. Das 2016 vorgelegte integrierte Klima­schutz­konzept sieht u.a. vor, dass der bisherige Ausstoß von jährlich 6,5 Tonnen CO2 pro Einwohner bis 2020 auf 4,2 Tonnen und bis 2030 auf 3 Tonnen verringert wird. „Der Klima­schutz ist für Kommunen eine Heraus­forderung, die nur ganz­heitlich angegangen werden kann“, erklärt Ober­bürger­meister Uli Burchardt. „Das gelingt, indem Politik, Bürger­schaft und Unter­nehmen gemeinsam Maßnahmen in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr umsetzen. Für die Verkehrs­wende sind der öffent­liche Nahverkehr, Elektro­fahrzeuge und natürlich das Fahrrad wichtige Klimaschutz­instrumente, auf die wir uns hier in Konstanz konzen­trieren.“

Wenn E-Fahrzeuge allerdings mit Strom aus fossilen Kraft­werken betrieben werden, bringt das für den Klima­schutz keinen Vorteil. Die Verkehrs­wende kommt nur voran, wenn E-Mobilität mit Ökostrom kombiniert wird, der durch strenge Strom­label zerti­fiziert ist. Wie das geht, zeigen in Konstanz die hiesigen Stadtwerke, die sich zu hundert Prozent in kommunaler Hand befinden. Sie haben bisher an fünf Stand­orten im Stadtraum Lade­infra­struktur aufgebaut, insgesamt gibt es in der Stadt bereits elf Lade­punkte. Zwei weitere Standorte mit jeweils zwei Lade­punkten sollen dieses Jahr noch in Betrieb genommen werden.

Das Besondere daran ist, dass Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos hier hundert­prozentigen Ökostrom tanken können. Das garantiert das Ökostromsiegel, welches die zertifi­zierten Strom­anbieter zu Investitionen in erneuer­bare Energien und in Energie­effizienz­maßnahmen verpflichtet. Wenn die Fahrerinnen und Fahrer den zertifi­zierten Strom der Stadtwerke Konstanz tanken, fließt ein fester Betrag pro Kilowatt­stunde in einen entspre­chenden Fördertopf. „Mit ihrem Ökostromtarif und den darin enthaltenen Förder­beträgen sorgen die Stromkunden in Konstanz dafür, dass vor Ort verstärkt in neue Energie­wende­projekte investiert wird“, erklärt Anna Caldarone von den Stadtwerken.

Für die Errichtung der Ladeinfrastruktur konnten die Stadtwerke aber auch auf Bundesmittel zurückgreifen. Seit 2017 stellt die Bundes­regierung bis 2020 insgesamt 300 Millionen Euro bereit, um öffent­lich zugäng­liche Lade­infra­struktur durch eine anteilige Finanzierung der Investitions­kosten mit bis zu 40 Prozent zu fördern. Mit dem Programm will die Bundes­regierung den Aufbau eines flächen­deckenden Netzes von Schnelllade- und Normal­ladestationen initi­ieren. Ziel ist der Aufbau von mindes­tens 15.000 Ladesäulen bis 2020. Der für die Ladesäulen verwendete Strom muss aus Erneuer­baren oder aus einem regenerativ erzeugten Strom direkt vor Ort stammen, etwa einem Solar­panel auf dem Carport.

Im Jahr 2016 wurden 18 Prozent der Treib­hausgas­emissionen Deutschlands durch den Verkehr freigesetzt. 95 Prozent davon entstehen im Straßenverkehr. Der verkehrs­bedingte Treib­hausgas-Ausstoß war im Jahr 2016 sogar um 1,8 Millionen Tonnen (1,1 Prozent) höher als noch 1990. Das lag vor allem an einem Wachstum des Straßen­güter­verkehrs und einem gestiegenen Absatz von Diesel­kraft­stoff. Eine Mobilitäts­wende ist überfällig. „Für mehr Lebens­qualität in den Städten und ambitionierten Klima­schutz müssen wir stärker auf Elektro­mobilität mit Ökostrom setzen, den verblei­benden Bedarf an Kraft­stoffen nachhaltig erneuerbar decken und gleichzeitig unsere Mobilität besser organi­sieren“, sagt Nils Boenigk, stellver­tretender Geschäfts­führer der Agentur für Erneuerbare Energien. (Quelle: AEE)

Link: Online-Portrait der Energie-Kommune Konstanz auf kommunal-erneuerbar.de

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