Novel­lier­tes Erneuer­bare-Wärme-Gesetz in Kraft ge­treten

Photovoltaikanlage mit rund 12 kW Peak-Leistung. (Bild: Aton Solar)

Photovoltaikanlage mit rund 12 kW Peak-Leistung. (Bild: Aton Solar)

In Baden-Württemberg ist am 1. Juli die Novelle des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes EWärmeG in Kraft getreten. Bei einem Heizungs­tausch steigt der Pflicht­anteil für Ökowärme von 10 auf 15 Prozent. Als offi­zielle Ersatz­erfüllung der Gesetzes­anforde­rungen gilt künftig auch die Installation einer Photo­voltaik­anlage, berichtet der Branchen­verband Solar Cluster Baden-Württem­berg. Die neue Option ist sowohl für Wohn- als auch für Nicht­wohn­gebäude vorgesehen. Solar­strom­anlagen sind auch aufgrund des lukrativen Eigen­ver­brauchs weiterhin finanziell lohnend – spätestens in zwei bis drei Jahren auch in Kombi­nation mit einem Batterie­speicher.

Die Erzeugung von Sonnenstrom ist mit der Neufassung des EWärmeG jetzt ebenfalls eine anerkannte Alternative. Bislang war das nicht so: Wer vor dem Austausch der Heizung über keine PV-Anlage verfügte, durfte auch keine neue installieren, um die Vorschriften des Gesetzes zu erfüllen. „Dieses Hindernis hat der Gesetzgeber jetzt beseitigt“, sagt Carsten Tschamber vom Solar Cluster. „Für das Voran­kommen der Photo­voltaik im Land ist das eine gute Entscheidung.“ Der Anteil der PV am Strommix im Südwesten könnte jetzt wieder steigen, für die Solar­unter­nehmen und ihre Beschäftigten sei das ein gutes Zeichen, so Tschamber weiter. Außerdem brauche das Land dringend mehr Photo­voltaik, um seine Klimaziele erreichen zu können.

Faustregel: 20 Watt pro Quadratmeter Gebäudefläche – Solaranlagen rechnen sich weiterhin

Hauseigentümer, die die Gesetzesauflagen vollständig mit Photovoltaik erfüllen wollen, benötigen eine installierte Leistung von 20 Watt pro Quadrat­meter Wohnfläche. In Nicht­wohn­gebäuden wird die Netto­grund­fläche als Maßstab herangezogen. Ob der Strom einge­speist oder im Gebäude selbst verbraucht wird, spielt keine Rolle. Ältere Anlagen können angerechnet werden. Wer weniger als 20 Watt pro Quadrat­meter installieren lässt, erfüllt das Gesetz teilweise und muss die Photo­voltaik mit anderen Maßnahmen, etwa einer Dämmung, kombinieren.

Wer über ein kleines Einfamilienhaus mit hundert Quadratmeter Wohn­fläche verfügt, dem reicht eine Anlage mit zwei Kilowatt Spitzen­leistung zur umfassenden Erfüllung des Gesetzes. Diese Anlagen­größe liegt in Deutsch­land am unteren Rand der Skala: Der Großteil der PV-Anlagen auf deutschen Dächern hat eine Leistung von 5 bis 8 kWp, das entspricht rund vierzig bis sechzig Quadrat­metern Dach­fläche.

Die Investitionskosten für eine 2-kWp-Anlage betragen derzeit rund 3000 Euro. Ein Vorteil der Klein­anlagen: Der im Vergleich zur Netz­einspei­sung lukrative Eigen­ver­brauch des Solar­stroms für Licht und elek­trische Geräte kann aufgrund der geringeren Solar­strom­produk­tion besonders hoch ausfallen und erhöht damit die Rendite. Über die Zeit­spanne von zwanzig Jahren refinan­ziert sich die Inves­tition mit einem Gewinn von bis zu sechs Prozent, wenn Strom­verbrauch und Erzeugung aufein­ander abgestimmt werden.

Doch auch bei größeren Anlagen sind ansehnliche finanzielle Gewinne möglich – im Wohn­bereich etwa mit 4 bis 8 kWp. „Bei Anlagen auf Gewerbe­immo­bilien kommen sogar 100 kWp und mehr in Frage“, sagt Ralf Hofmann, Geschäfts­führer des Neckar­sulmer Wechsel­richter­herstellers Kaco New Energy. „Da die Last bei Firmen im Gegensatz zu Privat­leuten meist nur tagsüber anfällt und sich das mit dem Solar­strom­ertrag deckt, sind gewinnträchtige Eigen­verbrauchs­quoten von siebzig Prozent ohne Speicherung möglich.“ In Privat­haus­halten liegt der Wert dagegen bei höchstens dreißig bis vierzig Prozent.

Solarstromspeicher: Batterien und Wärmepumpen erhöhen lukrativen Eigenverbrauch

Um beim Eigenverbrauch im Wohnbereich auf ähnliche Werte zu kommen wie ein Unternehmen, sind Batterie­speicher­systeme eine Option: Sie speichern den Strom tagsüber, wenn der Verbrauch niedrig ist, und geben ihn abends ab, wenn der Bedarf wieder steigt. Noch ist die elektro­chemische Speicherung in Batterien jedoch nicht wirklich wirt­schaft­lich. Das wird sich aber in spätestens zwei bis drei Jahren ändern, da die Kosten aktuell bereits deutlich sinken.

Auch Wärmepumpen sind ein Mittel zur Solarstromspeicherung. Die Geräte erhitzen Wasser energie­effizient mit Hilfe des Sonnen­stroms und der Umweltwärme. Gespeichert wird das heiße Wasser wie bei einer solar­ther­mischen Anlage im Warmwasser­speicher. Die Haus­bewohner können es dann für die Heizung und je nach Wärmepumpen­ausführung auch für Küche und Bad nutzen. „In diesem Fall liefert der Solar­strom sogar echte erneuerbare Wärme“, erklärt Carsten Tschamber vom Solar Cluster. Bei geringerem Wärme­bedarf etwa im Sommer sei  parallel die Nutzung des PV-Stroms für elektrische Geräte möglich: Durch die Kombination von Elektri­zität und Wärme aus Photo­voltaik komme man der energe­tischen Unabhängig­keit noch ein Stück näher, so Tschamber weiter. (Quelle: SolarClusterBW)

Link: „Zukunft Altbau“, Programm des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Projektträgerin: KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH

Weitere Beiträge: Ausgezeichnet: Deutschlands größte Solarwärme-Anlage, energyviews.de, 5. September 2014

Speak Your Mind

*