GKM jetzt größ­tes Stein­kohle­kraft­werk Deutsch­lands

Mannheim, Rheinau-Hafen (Hafen 21), Blick nach Norden zum GKM, im Vordergrund der neue Block 9 im Testbetrieb, November 2014 (Bild: Wikipedia / H. Berberich; CC-BY-3.0)

Mannheim, Rheinau-Hafen (Hafen 21), Blick nach Norden zum GKM, im Vordergrund der neue Block 9 im Testbetrieb, November 2014 (Bild: Wikipedia / H. Berberich; CC-BY-3.0)

Mit 650 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat die Gross­­kraftwerk Mannheim Aktien­gesell­schaft GKM am 22. September Block 9 offiziell in Betrieb genommen. Zu den Gästen zählten unter anderem Franz Unter­steller, baden-würt­tem­bergi­scher Minister für Umwelt, Klima und Energie­wirtschaft, Mannheims Ober­bürger­meister Dr. Peter Kurz sowie Mitglieder des Aufsichtsrats mit dem Vorsitzenden Gerhard Widder. Aktionäre des GKM sind RWE, EnBW und die MVV.

Nach dem symbolischen Anschluss Mannheims an Block 9, der mit einem über­dimen­sionalen Stecker inszeniert wurde, begrüßte zunächst Dr. Markus Binder die Gäste. In seiner Rede forderte er von der Politik verläss­liche Lösungen und langfristige Konzepte, um die Situation für die konventio­nellen Erzeuger zu verbessern. Denn obwohl das GKM mit Block 9 zum größten Steinkohle­kraftwerk Deutschlands aufgestiegen sei und sich die Wirtschaft­lichkeit des Kraftwerks nachhaltig verbessert habe, sei die Situation sehr schwierig. Dennoch zeigte sich Binder überzeugt, dass Block 9 nicht nur eine wichtige, sondern auch die richtige Entschei­dung war: „Wenn in Zukunft nur noch wenige Steinkohle­kraftwerke in Deutschland laufen, ist Block 9 sicher dabei.“

Alt-OB Gerhard Widder nannte die offizielle Inbetrieb­nahme einen wichtigen Tag für das GKM, die Stadt Mannheim, die Metropol­region Rhein-Neckar und ganz Süd­deutsch­land. Er dankte den Aktionären, die am 30. Oktober 2009 einstimmig den Neubau beschlossen hatten, sowie allen am Bau Beteiligten. Auch Widder betonte die große Bedeutung von Block 9 für die sichere Energie­versorgung und forderte von der Energie­politik in Deutschland einen verläss­lichen Ordnungs­rahmen, der einen Übergang zu einer Energie­land­schaft mit einem höheren Anteil von erneuer­baren Energien möglich mache.

Symbolischer Anschluss Mannheims an Block 9 (Bild: GKM)

Symbolischer Anschluss Mannheims an Block 9 (Bild: GKM)

Mit besonderer Spannung wurde das Grußwort von Minister Franz Unter­steller [B90/Grüne, ehem. Mitarbeiter des Öko-Instituts] erwartet. Er stellte gleich zu Beginn seiner Rede dar, dass er mit „ruhigem Gewissen“ gekommen sei, auch wenn es einen gewissen Ziel­konflikt zwischen Versorgungs­sicherheit und der beschlos­senen Dekarboni­sierung Deutschlands gebe. Solange der Ausbau von Wind- und Solar­energie noch nicht weiter fortge­schritten sei, Speicher­techno­logien fehlen und Netze noch ausgebaut werden müssen, seien hoch­moderne Anlagen wie Block 9 wichtig und unerlässlich für die Versorgungs­sicherheit in Baden-Württem­berg. „Mir ist ein Steinkohle-Kraftwerk wie das GKM mit hohem Wirkungs­grad und Fernwärme-Erzeugung lieber als weniger effiziente Braun­kohle-Kraftwerke“, so Untersteller.

Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz gratulierte allen Beteiligten zum Gelingen und nannte die Investition von 1,3 Milliarden Euro ein Konjunktur­programm für die Region. Er wies auf die besondere Bedeutung der Fernwärme aus dem GKM hin. Auch wenn sich die politischen und wirt­schaft­lichen Rahmen­bedingungen in den letzten Jahren verändert hätten, sei es damals die richtige Entschei­dung gewesen, sich für den Neubau zu positionieren.

Dr. Karl-Heinz Czychon, Technischer Vorstand des GKM, stellte die wichtigsten technischen Highlights und besonderen Heraus­forderungen der rund sechsjährigen Bauzeit vor. Zu Beginn seines Vortrags bemerkte er, es sei ein „richtiger Block-9-Tag“. Denn immer wenn – wie am 22. September – keine Sonne scheine und kein Wind wehe, würden konven­tionelle Kraftwerke gebraucht.

Die Block-9-Gegner hatten ihren Standpunkt bereits zuvor auf der GKM-Bilanzpressekonferenz erneut dargelegt. „Endstation Kohle – Energiewende jetzt!“ forderten der BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald, MetropolSolar Rhein-Neckar und 100 Pro Energiewende auf einem Transparent. Sie verwiesen darauf, dass der Gemeinderat der Stadt Mannheim – Mehrheitseignerin der MVV und somit indirekt am GKM beteiligt – im Jahr 2009 die vom IFEU-Institut angefertigte „Klimaschutzkonzeption Mannheim 2020“ ratifiziert hatte. Damit will die Stadt Mannheim bis 2020 ihr CO2-Emissionen um vierzig Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Das werde kaum funktionieren, wenn Mannheim nicht aus der Kohle aussteigt. BUND, Metropolsolar und 100 Pro Energiewende fordern daher auch, Block 6 des GKM sofort abzuschalten oder zumindest in die Kaltreserve zu überführen. Dies wäre ein erster Schritt und ein wichtiges Signal für den Klimaschutz. (Quellen: GKM / BUND)

Link: Block 9, Großkraftwerk Mannheim, GKM

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