Aus­zeich­nung für neue Ener­gie­effizienz-Netz­werke

Otto Klatte, Nicole Meier, Marcel Wickart, Mareike Hoffmann und Christian Metzger (v.l.n.r.) diskutierten in der von Helmut Sendner moderierten Podiumsdiskussion, wie sich Netzwerke am besten starten lassen. (Bild: LEEN-100-plus / Maelsa)

Otto Klatte, Nicole Meier, Marcel Wickart, Mareike Hoffmann und Christian Metzger (v.l.n.r.) disku­tierten in der von Helmut Sendner moderierten Podiums­diskussion, wie sich Netz­werke am besten starten lassen. (Bild: LEEN-100-plus / Maelsa)

Bei der Jahreskonferenz der Lernenden Energie­effizienz-Netz­werke (LEEN-Netzwerke) am 29. September 2015 in Berlin tauschten sich rund zwei­hundert Teil­nehme­rinnen und Teil­nehmer über ihre Erfahrungen in den Netz­werken und über Perspek­tiven für weitere Netzwerke aus. Zudem wurden sechs LEEN-Netz­werke ausge­zeichnet, die in den vergangenen zwölf Monaten gegründet wurden.

Die Jahreskonferenz fand im Bundesministerium für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reak­tor­sicher­heit statt. Die vom Fraun­hofer-Institut für System- und Inno­vations­forschung ISI und von der Stiftung für Res­sourcen­effi­zienz und Klima­schutz STREKS ausge­richtete Veran­staltung rief rund zwei­hundert Vertre­terinnen und Vertre­ter aus Unter­nehmen, aus der Beratungs- und Banken­wirt­schaft sowie aus Politik und Verbänden nach Berlin. Sie infor­mierten sich über den aktuellen Stand der Entwicklung der LEEN-Netz­werke für größere Unter­nehmen (LEEN-Klassik) und KMUs (bezeichnet mit „Mari:e – Mach‘s richtig: energie­effizient“).

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staats­sekre­tärin im BMUB, bezeich­nete den Standard der LEEN-Netz­werke als Mess­latte für neu entstehende Energie­effizienz-Netzwerke, denn die Ergeb­nisse eines Durch­schnitts­unter­nehmens aus den dreißig Pilot-Netzwerken seien beacht­lich: „Nach drei bis vier Jahren werden etwa tausend Tonnen CO2 eingespart und die Energie­kosten doppelt so schnell gesenkt wie der Durch­schnitt der deutschen Unter­nehmen. Wenn wir diese Erfahrungs­werte auf 500 Netzwerke hoch­rechnen, können wir bis zum Jahr 2020 fünf Millionen Tonnen Treib­haus­gas­emis­sionen einsparen. Dies ist ein großer Beitrag zu unseren Klima­schutz­zielen“, sagte die Staats­sekretärin.

Prof. Dr.-Ing. Eberhard Jochem, Vorstand der Stiftung STREKS, erläuterte, das Projekt „LEEN 100 plus“ ermögliche allen sich gründenden Netzwerken, die lange getesteten rund hundert Arbeits­hilfen und zwanzig Berech­nungs-Tools kostenfrei zu nutzen. Außerdem würden die ersten zehn neuen LEEN-Netzwerke mit jeweils 4000 Euro pro Teilnehmer bezu­schusst – vier davon seien noch für weitere Bewerbungen offen. „Von den LEEN-Netz­werken gehen viele inno­vative Produkt-, Verfahrens- und Orga­nisations­ideen aus“, sagte Jochem. Als Beispiele nannte er hoch­effiziente Venti­latoren, ein Energie­mess- und Energie­management­system für KMUs, Neuerungen bei der Pulver­lackierung sowie die Kampagnen „Energie-Scouts“ für Azubis und „Energie­partner“ für den Produktionsbereich. So würden die LEEN-Netzwerke zu Inno­vations­beschleu­nigern mit vielen Ideen für die Techno­logie­produzenten.

Stefan Besser, im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zuständig für die Initiative von Bundes­regierung und Wirt­schafts­verbänden, fünf­hundert Energie­effizienz-Netzwerke bis 2020 zu gründen, berichtete über den Stand dieser Initiative – rund drei­hundert Tage nach ihrer Unter­zeichnung: Viele Netzwerke hätten seit Dezember 2014 ihre Arbeit aufgenommen oder befänden sich derzeit in der Gründungs­phase. Die an der Netzwerk­initiative beteiligten Verbänden und Kammern arbeiteten aktiv daran, dieses Engage­ment zu unterstützen und weitere Netzwerke ins Leben zu rufen. Der Mindest­standard zur Anerkennung als Energie­effizienz-Netzwerk sei definiert und die Internet­seite der Initiative seit einigen Tagen online. Über die Geschäfts­stelle der Initiative würde in den kommenden Wochen entschieden.

Die in den vergangenen zwölf Monaten entstandenen sechs LEEN-Netzwerke wurden von BMUB-Minis­terial­direktor Franz­josef Schaf­hausen ausgezeichnet. Er überreichte Teilnahme­urkunden an Vertre­terinnen und Vertreter von sechs Netzwerken, die ihre Arbeit aufge­nommen haben. In seiner Laudatio lobte Schaf­hausen die Initiatoren, Netzwerk­träger und Unter­nehmen dafür, dass sie konse­quent vom vorge­schriebenen Energieaudit über das Netzwerk­ziel, den regel­mäßigen Erfahrungs­austausch und Betriebs­begehungen bis hin zum jährlichen Monitoring ihre Energie­kosten und die Emissionen mit Gewinn senkten. Pro Betrieb und Jahr könnten durch die Netzwerk­teilnahme im Durch­schnitt 180.000 Euro an Energie­kosten eingespart werden. Darüber hinaus unterstütze das Projekt „LEEN 100 plus“ die Initiative für fünf­hundert Netzwerke mit der kosten­freien Zur-Verfügung-Stellung des LEEN-Management­systems und mit kosten­freier Beratung bei der Netzwerkgründung.

In der Schweiz, wo die Idee der Energieeffizienz-Netzwerke in den 1980er Jahren entstanden ist, ist ihre Markt­durch­dringung – auch bei KMUs – schon wesentlich weiter fortge­schritten als in Deutschland. Dr. Armin Eberle von der Energie-Agentur der Wirtschaft berichtete über das Erfolgs­geheimnis: Bei Teilnahme an einem Netzwerk und indivi­dueller Ziel­setzung gebe es eine Befreiung von der CO2-Abgabe (derzeit 60 Schweizer Franken je Tonne) und von Detail­vorschriften der Kantone. Das sei ein Ansporn für die Netzwerk­teilnehmer, sich ständig neue Ziele zu setzen – und diese zu erreichen. Gemessen an der Schweiz bestehe in Deutschland ein Potenzial von 25.000 Teilnehmer­betrieben in den großen Netzwerken und der gleichen Anzahl bei KMUs.

Wie sich Netzwerke am besten starten lassen, zeigte eine von Helmut Sendner (Zeit­schrift Energie & Management) moderierte Podiums­diskussion: Otto Klatte (EnBW), Nicole Meier (IHK Heilbronn-Franken), Marcel Wickart (Elektri­zitäts­werk der Stadt Zürich), Christian Metzger (Michelin Reifenwerke) und Mareike Hoffmann (Ökotec Energie­management GmbH) konnten auf Basis ihrer Netzwerk­erfahrung den Zuhörern einige Tipps geben: Wichtige Elemente seien eine Info-Veran­staltung mit einer hochge­stellten Persönlichkeit der Region und mit dem Energie­manager eines Unter­nehmens mit längerer Erfahrung in einem Netzwerk, die persönliche Kommuni­kation mit den Energie­managern der potenziell teilneh­menden Betriebe sowie die Infor­mation der Geschäfts­führer oder Inhaber, beispiels­weise im Rahmen der jährlichen Gespräche mit der Hausbank oder den Stadtwerken.

Nachmittags widmeten sich zwei parallele Veranstaltungen den Erfah­rungen aus der Praxis: In der Session „LEEN-Klassik“ informierten sich die Teilnehme­rinnen und Teilnehmer über Netzwerke für größere Betriebe mit mehr als 500.000 Euro Energie­kosten pro Jahr. Einblicke in die Praxis lieferten Volker Korten (BSH-Hausgeräte GmbH), Prof. Dr.-Ing. Ulrich Wagner (Forschungsstelle für Energie­wirtschaft der TU München) sowie Thomas Wagner (EnBW). Die Session „Mari:e/LEEN-Kompakt“ bot Informationen für kleinere Betriebe mit bis zu 500.000 Euro Energie­kosten pro Jahr. Hier berich­teten Nicole Meier (IHK Heilbronn-Franken), Kathrin Ostertag (IHK Lübeck), Rainer Hertel (IG Energie­einkauf Lübeck) und Andreas Lahme (Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold) über ihre Erfahrungen und sich öffnende Perspektiven. (Quelle: Fh.-ISI)

Links: Informationen und alle Materialien zur Konferenz unter www.energie-effizienz-netzwerke.de

Weitere Beiträge: Lernende Energieeffizienz-Netzwerke, energyviews.de, 21. März 2014

 

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