NEST – Das Gebäude der Zukunft

Das Forschungshaus NEST in Dübendorf vereint  mehrere Innovationsmodule. (Bild: Empa)

Das Forschungshaus NEST in Dübendorf vereint mehrere Innovationsmodule. (Bild: Empa)

Wohnhaus, Büro­gebäude und Versuchs­labor in einem: NEST ist ein „Living Lab“ im wahrsten Sinn des Wortes. Wer darin wohnt, ist gleich­zeitig Testperson; wer in NEST arbeitet, gehört zur Versuchsanlage. Knapp sieben Jahre, nachdem die ersten Ideen zu NEST entstanden sind, wurde das modulare Gebäude im Mai 2016 feierlich eröffnet. NEST schlägt eine Brücke zwischen Forschung und Privatwirtschaft, zwischen Ideen, die im Labor funktionieren, und Produkten, die im Markt erfolgreich sind. Dass dieser Brücken­schlag allseits sehr begrüsst wird, zeigte sich an den Eröffnungs­feierlich­keiten: Rund 250 Spitzenv­ertreter von Wirtschafts- und Forschungs­partnern sowie der öffentlichen Hand feierten gemeinsam dieses Leucht­turmprojekt. Bundes­präsident Johann Schneider-Ammann zeigte sich in seiner Grussadresse dann auch äusserst erfreut: „Der Schweizer Bildungs-, Forschungs- und Innovations­bereich ist stark, wenn es gelingt, alle relevanten öffentlichen und privaten Kräfte vereint auf drängende Frage­stellungen zu fokussieren – mit NEST ist das vorbildlich gelungen.“

Eine weitere grosse Stärke von NEST ist die Flexibilität. „Dank seines modularen Konzepts wird sich NEST in den kommenden Jahren ständig verändern und auf aktuelle Fragen im Bau- und Energie­bereich reagieren können“, so Empa-Direktor Gian-Luca Bona. Modularität wird im NEST wörtlich genommen, denn NEST besteht zum einen aus einem zentralen Gebäude­kern mit drei offenen Plattformen und zum anderen aus Modulen – den so genannten Forschungs- und Innovations-Units –, die auf diesen Platt­formen nach einem Plug-&-Play-Prinzip installiert werden. Die Units werden von Konsortien aus Forschungs- und Wirtschafts­partnern realisiert, die ihre Ideen im Rahmen dieser Units zu marktfähigen Lösungen weiterentwickeln.

Zeitgleich mit der Eröffnung des Gebäude­kerns von NEST sind auch bereits die ersten beiden Units betriebs­bereit und konnten im Rahmen der Feierlichkeiten besichtigt werden. „Meet2Create“ ist eine Büro­umgebung, die von der Hochschule Luzern – Technik & Architektur konzipiert wurde, um Erkenntnisse über die Arbeits­welten der Zukunft zu erlangen. Gemeinsam mit ihren Wirtschaftspartnern untersuchen die Forscher der Hochschule Luzern Themen wie flexible Möblierung, personalisier­bares Klima am Arbeitsplatz oder passive Gebäude­technik in Sitzungs­räumen. Die zweite fertig­gestellte Unit nennt sich „Vision Wood“ und ist ein von der Empa und der ETH Zürich entwickeltes Wohnmodul für Studierende. Im Zentrum stehen Innovationen, die dem bewährten Werkstoff Holz neue Funktionen verleihen und dadurch neue Anwendungs­möglichkeiten schaffen. „Vision Wood“ wurde praktisch vollständig von der Firma Renggli AG vorgefertigt und Ende April in einer spektakulären Aktion von zwei mobilen Kränen zwischen die oberen beiden NEST-Plattformen geschoben.

Gemeinsam mit NEST nimmt der „ehub“ – kurz für Energy Hub – seinen Betrieb auf. Der ehub ist eine Energie­forschungs­plattform mit dem Ziel, das Energie­management auf Quartier­ebene zu optimieren. Er verbindet sämtliche Kompon­enten im NEST, die Energie erzeugen, speichern, umwandeln oder abgeben, auf intelligente Weise miteinander. Ausserdem koppelt er die Energies­tröme aus dem Gebäude­bereich mit dem Mobilitäts­demonstrator „move“, der sich ebenfalls auf dem Empa-Gelände befindet. Dort wird Energie, die nicht direkt verwendet wird, in nachhaltige Treibstoffe für die Mobi­lität der Zukunft umgewandelt. Neben der Energie ist im NEST auch die Ressource Wasser ein übergeordnetes Forschungs­thema. Das Wasser­forschungs­institut Eawag untersucht im „Water Hub“ die Mehrfach­nutzung von Wasser und entwickelt neue Konzepte zur Nährstoff- und Energie­gewinnung aus Abwasser. „Wasser und Energie sind eng miteinander verbunden. Wasser­verbrauch führt automatisch zu Energie­verbrauch. Im NEST können wir eng mit der Industrie zusammen­arbeiten, um gemeinsam marktfähige Produkte zu entwickeln“, sagt Janet Hering, die Direktorin der Eawag.

„ehub“, „Water Hub“ und die Units „Meet2Create“ und „Vision Wood“ sind allerdings erst der Anfang. NEST bietet Platz für rund 15 Units, die jeweils zwischen fünf und sieben Jahre in Betrieb sein werden und nach abge­schlossener Forschungs­tätigkeit ihren Platz für neue freigeben. Bereits Ende 2016 soll auf der obersten Plattform eine solare Fitness- & Wellness-Anlage eröffnet werden – eine Unit, die mass­geblich vom Schweizerisch-Liechten­steinischen Gebäude­technikv­erband unterstützt wird. Für die kommenden zwei Jahre sind fünf weitere Units in Planung: In „HiLo“, einer zwei­geschossigen Wohn- und Arbeits­umgebung, untersucht die ETH Zürich adaptive Fassaden und neue Möglich­keiten im Leichtbau. Die Werner Sobek Group arbeitet gemeinsam mit der Universität Stuttgart und der ETH Zürich an einer Unit zum Thema „Urban Mining“. Die EPFL rückt in der Unit „SolAce“ multi­funktionelle, aktive Fassaden ins Zentrum des Interesses, und die Fach­hochschule St. Gallen möchte das Thema „Active Assisted Living“ im NEST aufnehmen – Wohnen für Menschen in der dritten Lebens­phase. Die fünfte Unit nennt sich „Digitale Fabrikation“ und wird initiiert durch den gleich­namigen Nationalen Forschungs­schwerpunkt der ETH Zürich. Die Forscher untersuchen dabei robotische Vor­fabrikation und Vor-Ort-Fertigung sowie digitale Bauprozesse. (Quelle: Empa)

Links: NEST Living Lab, Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa, Dübendorf, Schweiz

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