Fusion im Zeitplan

Die 35-Meter-langen Kühltanks für die Kryotechnik von ITER werden im südfranzösischen Hafen Fos-sur-Mer verladen. (Bild: ITER / DAHER)

Die 35-Meter-langen Kühltanks für die Kryotechnik von ITER werden im südfranzösischen Hafen Fos-sur-Mer verladen. (Bild: ITER / DAHER)

Nach Jahren der Unsicherheit hat das internationale Fusionsexperiment ITER in Südfrankreich nun wieder einen offiziellen Zeitplan: Der ITER-Rat stimmte auf seiner Sitzung Mitte November dem Vorschlag zu, den die ITER-Organisation im Herbst letzten Jahres eingereicht hatte. Das erste Plasma soll demnach 2025 im Fusionsreaktor gezündet werden; zehn Jahre später sollen in der Anlage Deuterium- und Tritiumkerne verschmelzen und dabei bis zu zehnmal mehr Energie freisetzen, als zum Aufheizen des Plasmas nötig ist. Pünktlich zum zehnten Geburtstag der ITER-Organisation, die am 21. November 2006 im Élysée-Palast in Paris gegründet wurde, schreibt das Fusionsexperiment somit positive Schlagzeilen, nachdem es mehrere Jahre vor allem durch Verzögerungen und Kostenexplosion von sich reden gemacht hat.

Der ITER-Rat begründete seine Zustimmung mit dem rasanten Tempo, mit dem sich die Anlage seit dem Amtsantritt des neuen Generaldirektors Bernard Bigot im März 2015 entwickelt hat. Insbesondere lobte das Gremium, dass die ITER-Organisation alle für 2016 geplanten Meilensteine pünktlich und im Kostenrahmen erreichte. Beispielsweise wurde die erste supraleitende Spule für den Fusionsreaktor gewickelt und die Kräne in der Fertigungshalle installiert. Der Rat sprach außerdem seine volle Unterstützung für den phasenweisen Aufbau der Anlage aus und begrüßte, dass z. B. nach dem Zünden des ersten Plasmas eine Experimentierphase folgen soll. Damit es in den kommenden Jahren zügig weitergehen kann, müssen die ITER-Partner China, Europäische Union, Indien, Japan, Korea, Russland und USA die Projektkosten in ihre jeweiligen Haushaltsplanungen einbringen: Der ITER-Rat hat den Kostenplan zwar bewilligt, die Gelder aufbringen müssen aber die Partner.

Derzeit wächst neben der Fertigungshalle, in der später die Teile des Plasmagefäßes für den Fusionsreaktor vormontiert werden, vor allem das Gebäude, das die Kryotechnik für die Anlage beherbergt. Noch in dieser Woche kommen zwei 35 Meter lange Kühltanks aus Tschechien auf dem ITER-Gelände an: Die mehrwöchige Reise über die Elbe nach Hamburg, zum Mittelmeerhafen Fos-sur-Mer nahe Marseille und das Binnenmeer Étang de Berre schließt mit einem dreitägigen Schwertransport ab. Bis zum Ende des Jahres werden 90 Prozent aller Kryo-Komponenten auf dem Gelände angekommen sein. Die Kryotechnik ist essenziell für den Betrieb von ITER: Nur supraleitende Magnetspulen erzeugen Felder, die stark genug sind, um das 150 Millionen Kelvin heiße Plasma einzuschließen. (Quelle: physik-journal.de, K. Sonnabend)

Links: ITER: Informationen zum Experiment und zur OrganisationZur Energiequelle FusionPhysik Journal, Dossier „Fusionsforschung“

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