„Großes Po­ten­zial, zu wenig Sek­tor­kopp­lung“

Batteriepark Schwerin der Wemag (Bild: RLI)

Ostdeutschland hat das Potenzial mehr erneuerbare Energie zu produzieren, als es selbst benötigt – für ein zügiges Voran­kommen der Energie­wende wird Sektor­kopplung in bishe­rigen Potenzial­analysen aber noch zu wenig berück­sichtigt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Reiner-Lemoine-Instituts, die zum Abschluss eines anderthalb­jährigen Forschungs­projekts veröffentlich wurde. In allen ostdeut­schen Bundes­ländern sehen die Forsche­rinnen und Forscher noch ungenutztes Potenzial für Erneuer­bare, insbesondere aus Wind könnte noch viel mehr Strom gewonnen werden.

Für die Studie, die im Rahmen des Forschungsprojekts „SmartEnergy Ostdeutschland“ SmEnOs-tech entstand, wurden zwanzig Gutachten verschiedenster Auftraggeber zu Potenzialen erneuer­barer Energien miteinander verglichen und ausgewertet. Obwohl die Studien unter­schied­liche Methoden und Daten­grundlagen nutzen, kommen alle zu ähnlichen Ergebnissen: Das Potenzial für Strom­erzeugung aus Erneuer­baren liegt in Ostdeutschland bei deutlich über hundert Prozent des Bedarfs, Windkraft ist dabei der bedeutendste Energieträger. Allerdings vernachlässigen die meisten Studien wichtige Komponenten des Energie­systems, wie etwa Wärme und Mobilität. Gerade hier wären aber sinnvolle Kombinationen möglich.

„Die Sektoren Strom und Wärme lassen sich ideal miteinander koppeln“, erklärt Projekt­leiterin Elisa Gaudchau. „Überschüssige Strom­mengen aus Erneuerbaren können mit Power-to-Heat-Techno­logien sinnvoll für die Wärme­gewinnung eingesetzt werden.“ So könne das Herunterregeln von Erneuerbare-Energie-Anlagen vermieden und der Anteil des Grünstroms in der Wärme erhöht werden. „Sektor­kopplung ist eine wichtige Flexi­bilitäts­option, die das Gelingen der Energie­wende ganz entscheidend unterstützen könnte“, sagt Gaudchau.

Die untersuchten Studien stammen aus den Jahren 2008 bis 2015, in denen Sektor­kopplung noch nicht in dem Maße wie heute diskutiert wurde. „Das große Potenzial, insbesondere für Wärme­erzeugung, scheint aber auch in den Unter­suchungen kaum erkannt worden zu sein“, resümiert Gaudchau. Diejenigen, die Power-to-Heat-Lösungen überhaupt in die Studie aufgenommen haben, betrachten fast ausschließlich Wärme­pumpen zur Bereit­stellung von Raumwärme – Nur eine einzige Studie hat Power-to-Heat in größerem Rahmen auch im Bereich der Prozesswärme mitein­bezogen. „Damit Sektor­kopplung wirklich eingesetzt werden kann, fehlen bisher noch sinnvolle rechtliche Rahmen­bedingungen“, sagt Gaudchau. „Es wäre wünschens­wert, wenn dieser wichtigen Technik auf allen Ebenen der Weg geebnet würde – das Potenzial in Ostdeutschland ist zu groß, um es zu verschenken.“

Das Projekt SmEnOs-tech, in dessen Rahmen die Studie angefertigt wurde, wurde vom Bundes­minis­terium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Zwanzig20 – Partner­schaft für Inno­vation“ gefördert. Es wurde im Dezember 2016 abgeschlossen, am 5. Dezember fand der Abschluss­workshop in Berlin statt. (Quelle: RLI)

Link: SmEnOs-tech-Projekt, Reiner Lemoine Institut, Berlin

 

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