New-York-ePrix: Audi und BMW machen Einstieg in Formel-E fest

Premiere in New York City: tolle Aussicht vom Kreuzfahrtschiff-Hafen Brooklyns auf die Skyline von Manhattan und die Freiheitsstatue (Bild: FIA)

Die Fans der Formel-E können sich auf ein spannendes Finale freuen: Mit einem vierten und einem fünften Platz bei den beiden Rennen in New York hat Herausforderer Lucas di Grassi aus dem Team Abt Schaeffler Audi Sport den Rückstand auf den abwesenden Tabellenführer Sébastien Buemi – er fuhr am Wochenende für Toyota auf dem Nürburgring – auf nur noch zehn Punkte verkürzt, der zweifache Gewinner des Premieren-E-Prix von Brooklyn, DS-Virgin-Pilot Sam Bird, liegt nur vier Punkte hinter dem WM-Dritten Felix Rosenqvist auf Rang vier.

Wie in den beiden ersten Saisons wird die Formel-E somit auch dieses Mal erst am letzten Rennwochenende entschieden, insgesamt 58 werden bei den beiden Rennen im kanadischen Montreal (29. und 30. Juli) noch vergeben. Mit zwei starken Aufholjagden hat sich di Grassi zwar nicht die WM-Führung holen können, aber bei der Premiere der Elektroserie in New York zumindest einiges an Boden auf Renault-Pilot Buemi gut gemacht.

„Zuerst einmal Kompliment an die Formel-E, dass es gelungen ist, die Serie nach New York zu holen. Wir sind erst im dritten Jahr der Meisterschaft, und die Premiere eines Autorennens mitten in dieser Metropole ist ein weiterer toller Meilenstein“, sagte di Grassi. „Wir hatten an diesem Wochenende nicht den Speed, um Rennen zu gewinnen. Aber wir haben das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht und uns in eine bessere Ausgangsposition im Titelkampf gebracht. Jetzt gilt der volle Fokus den letzten beiden Renntagen der Saison, an denen wir alles geben werden, um den Titel zu holen.“


Die Highlights des Samstagsrennens (Video: FIA)

 

Doch Speed war eigentlich da, und Teamkollege Daniel Abt avancierte im „Big Apple“ zu einem der tragischen Helden. Am Samstag startete der Deutsche aus der ersten Reihe ins Rennen, ging sogar zunächst in der ersten Kurve in Führung und hatte bis in die letzte Runde das Podium im Blick. Doch dann stoppte ein Fehler im Batterie-Management-System die Fahrt. Ein ähnliches Schicksal ereilte den Youngster auch am Sonntag, als er von Position acht startete und seinen Abt Schaeffler FE02 unverschuldet mit einem ähnlichen Fehler schon in der ersten Runde abstellen musste. Kleiner Trost: Nach dem Wechsel in das zweite Auto fuhr Abt die schnellste Rennrunde des Tages und sammelte dafür einen Punkt.

Doch er war nicht allein im Pech: auch seine Landsmänner Nick Heidfeld (Mahindra) und Maro Engel (Venturi) erreichten am Samstag nicht die schwarzweiß karierte Flagge.

„Das ist natürlich absolut nicht, was ich mir für die Tage in New York erhofft habe“, sagte Daniel Abt. „Es ist schwer zu verdauen, wenn man gleich zweimal um den Lohn der harten Arbeit gebracht wird. Der eine Zähler für die schnellste Runde ist definitiv der am schwersten erkämpfte in meiner bisherigen Formel-E-Karriere.“ Dennoch blickt Abt jetzt nur noch voraus: „Ich habe jetzt ein freies Wochenende, um durchzuatmen und alles abzuhaken, und dann werden wir mit aller Energie Montreal in Angriff nehmen.“

Für Heidfeld lief es dafür wenigstens am Sonntag besser: er kam mit seinem indischen Renner hinter seinem Teamkollegen Rosenqvist zu seinem fünften dritten Platz. Maro Engel allerdings schied auch am Sonntag aus.


Die Highlights des Sonntagsrennens (Video: FIA)

 

Ein Doppelpack wurde auch im Vorfeld des Rennens vermeldet: Audi und BMW erklärten ihren Einstieg in die Formel-E. Die Marke mit den vier Ringen übernimmt den Startplatz von Abt Sportsline. Audi ist seit der ersten Formel-E-Saison im Jahr 2014 Namensgeber des Teams und hat bislang mit di Grassi einen seiner Werksfahrer zur Verfügung gestellt. Zudem konnte das Allgäuer Team auch die Infrastruktur des Audi-Kompetenz-Centers Motorsport in Neuburg nutzen. Zur derzeitigen Saison hat Audi die Partnerschaft durch finanzielle und technische Unterstützung intensiviert, jetzt erfolgt mit der Übernahme des Startplatzes von Abt Sportsline der letzte Schritt zu einem vollständigen Werkseinsatz, der dann unter dem Teamnamen Audi Sport Abt Schaeffler erfolgt.

„Wir haben die Formel-E in den vergangenen Monaten immer intensiver begleitet – an den Renntagen, bei der Entwicklung des neuen Antriebsstrangs und auch mit zahlreichen Aktionen abseits der Strecke“, sagt Dr. Peter Mertens, Audi-Vorstand Technische Entwicklung. „Dass Audi sich ab der nächsten Saison als erster deutscher Automobilhersteller in der Rennserie engagiert, ist auch ein deutliches Bekenntnis unserer Marke zur Elektromobilität: ab Dezember auf der Rennstrecke und im kommenden Jahr mit dem neuen Audi e-tron auch auf der Straße.“

Wie im Rahmen der Neuausrichtung der BMW Group Strategie im Bereich Motorsport 2016 als Ziel angekündigt, wird BMW ab Saison 5 (2018/19) als offizieller Hersteller vertreten sein. Die Fahrzeuge mit einem vollständig neu entwickelten BMW-Antriebsstrang werden mit dem Andretti Formul-E Team eingesetzt.

Motosport-Direktor Jens Marquardt meint: „Die Formel-E hat sich als Rennserie fantastisch entwickelt und passt als neues, technologiebasiertes Projekt perfekt zu BMW. Neue Wege gehen und Innovationen vorantreiben – das gilt für uns und die Formel-E gleichermaßen. Weil uns die Demonstration unserer Technologiekompetenz so wichtig ist, haben wir mit der Einschreibung von BMW als offizieller Hersteller frühzeitig ein klares Bekenntnis zu diesem Projekt abgegeben und stellen uns dort dem immer breiteren Wettbewerb. Die Prämissen, an die wir unser Engagement gekoppelt hatten, treten mit Blick auf Saison 5 ein – wie zum Beispiel der Wegfall des Fahrzeugwechsels. Schon jetzt sehen wir in unserer Entwicklungsarbeit, dass die Kollegen aus Serie und Motorsport in einer völlig neuen Art und Weise zusammenwirken. Das Ergebnis sind neue Wege, die wir gemeinsam in Sachen Elektroantrieb beschreiten.“

Auf die Teams wartet zum Saisonabschluss ein weiterer Double-Header in Nordamerika, der Montreal ePrix am 29. und 30. Juli. Die kanadische Metropole hat eine lange Motorsport-Tradition, die Formel-E gastiert jedoch zum ersten Mal in Kanada. Die Rennen werden auf einem speziellen Kurs in der Innenstadt Montreals stattfinden. (Quellen: FIA / Abt / BMW)

Links: FIA Formula E, Fédération Internationale de l’Automobile, ParisFormel-E, ABT Sportsline GmbH, Kempten

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