Deutscher Umweltpreis für Elektromotoren-Entwickler und Naturschützer

Gemeinsame Freude über den Deutschen Umweltpreis (v.l.): Bundes­umwelt­ministerin Dr. Barbara Hendricks, Johannes Oswald, Judith Rakers, Bernhard Oswald, Inge Sielmann, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Dr. Kai Frobel, Prof. Dr. Hubert Weiger, stellver­tretender Minister­präsident Nieder­sachsens, Stefan Wenzel, DBU-Kuratoriums­vorsitzende Rita Schwarze­lühr-Sutter, DBU-Vize-Generalsekretär Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Bundes­präsident Frank-Walter Steinmeier und Doreen de Brum. (Bild: DBU / P. Himsel)

„Die Agenda 2030 setzt unserer Welt eine wahrlich ambitionierte Zukunftsvision. All denen, die daran gar nicht mehr glauben, die mit Verunsicherung, ja mit Angst in die Zukunft schauen, können unsere heutigen Preisträger eine Ermutigung senden: Aus der Teilung Europas erwächst ein ‚Grünes Band‘, aus 197 Einzelstimmen wird ein großes Klimaschutz­abkommen. Und aus lokalem Erfindergeist erwachsen Technologien, die Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnen. Ja, die Zukunft mag ungewiss sein, aber unsere Preisträger zeigen: Sie ist am Ende das, was wir daraus machen.“ Mit diesen Worten würdigte gestern Bundes­präsident Frank-Walter Steinmeier die neuen Träger des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundes­stiftung Umwelt. Aus den Händen Steinmeiers nahmen in Braunschweig die Unternehmer Bernhard und Johannes Oswald (Miltenberg) sowie die Naturschützer Inge Sielmann (München), Dr. Kai Frobel (Nürnberg) und Prof. Dr. Hubert Weiger (Fürth) den höchstdotierten, unabhängigen Umweltpreis Europas in Empfang. Den mit 10.000 Euro dotierten DBU-Ehrenpreis erhielt posthum der Ex-Außenminister der Marshall-Inseln, Tony de Brum für seinen Einsatz im Klimaschutz.

Johannes (r.) und Bernhard Oswald werfen einen Blick in einen modernen Torquemotor kurz vor Fertigstellung in der Montage. Zu sehen sind Statorwicklung, Rotor und Lagerung. (Bild: Jens Kortus Fotografie Miltenberg)

Vor rund 1.200 Festgästen – darunter Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und Niedersachsens stellvertretendem Ministerpräsidenten Stefan Wenzel – konstatierte Steinmeier: „Am Ende geht es um die globale Verteilung von Lebenschancen, um die Möglichkeit einer friedlicheren Zukunft.“ Veränderungen von Umwelt und Klima führten zunehmend zu Natur­katastrophen und Hungersnöten, die unzählige, Millionen  Menschen in die Flucht treiben würden, so das Staats­oberhaupt weiter. Ressourcen­knappheit und Umweltfragen seien längst nicht mehr nur Angelegenheit von Klimaschutz und Migrationspolitik, sondern seien inzwischen Fragen der Sicherheitspolitik geworden. Nicht nur deshalb lohne es, sich um den Erhalt der natürlichen Lebens­grundlagen weltweit zu bemühen. Steinmeier: „Am Ende geht es um die globale Verteilung von Lebenschancen, um die Möglichkeit einer friedlicheren Zukunft. Umwelt- und Klimaschutz ist praktische Arbeit an einer gerechteren Globalisierung. Und die brauchen wir.“

Das Klimaschutzabkommen von Paris 2015 habe gezeigt, dass die Welt­gemeinschaft in der Lage sein könne, sich auf gemeinsame Ziele in der Umweltpolitik zu verständigen. Die Pariser Folgeverhandlungen im November in Bonn seien gerade für Deutschland ein besonderes Anliegen. Ziel sei es, dass die Staaten­gemeinschaft auf die Bedürfnisse gerade auch der kleineren Länder eingeht, die keine Stimme haben im großen Weltkonzert. Vor allem die kleinen Inselstaaten bangten angesichts des steigenden Meeresspiegels um ihr Land. Tony de Brum, der ehemalige Außenminister der Marshall-Inseln, habe deren Interessen eine „klar vernehmbare und weltweit geachtete Stimme“ gegeben.

Doch Abkommen und Gesetze könnten immer nur der erste Schritt sein. Viel wichtiger sei es am Ende, den gesetzlichen Rahmen mit guten Ideen auszufüllen. Als innovativem Mittelständler mit besonderer Expertise für Elektro­motoren sei es der Firma Oswald gelungen, einen um bis zu fünfzig Prozent wirkungs­volleren Antrieb für Industrie­anwendungen zu entwickeln. Das sei ein beeindruckender Erfolg und verdiene großen Respekt – gerade auch für einen Familienunternehmer, der diese Entwicklung aus dem laufenden Betrieb finanzieren muss. Die Firma Oswald stehe beispielhaft für all die kleinen und mittleren Familien­unternehmen, die Deutschland bereicherten, nicht nur wirtschaftlich. Mittelständler wie die Oswalds würden sich intensiv in ihren Gemeinden engagieren. Sie übernähmen Verantwortung, nicht nur für ihre Mitarbeiter, sondern auch für die Stadt und die Region, in der sie produzieren.

Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2017 in Braunschweig. (Bild: DBU / P. Himsel)

Als Mitglieder der Jury des Deutschen Umweltpreises, auf deren Vorschlag hin das Kuratorium der Stiftung die jeweiligen Preisträger eines Jahres auswählt, gingen Prof. Dr. Heidi Foth (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Mitglied des Rates der Sachverständigen für Umweltfragen) und Dr. Andreas Bett (Fraunhofer-Institut für Solare Energie­systeme ISE; DBU-Umweltpreisträger), auf die Leistungen der Preisträger 2017 ein. Bett würdigte die Firma Oswald als Prototyp der sehr beeindruckenden Mittelständler in Deutschland. Diese Firmen seien nicht leicht zu führen, aber sie seien es, die Innovationen vorantrieben. Dabei hätten Bernhard und Johannes Oswald mit ihrem breiten gesell­schaftlichen Engagement weit mehr geleistet als reine Technikentwicklung.

Die Preisträger selbst machten in Filmen, die während des Festaktes eingespielt wurden, und im Gespräch mit Moderatorin Judith Rakers ihre Positionen noch einmal deutlich. Johannes Oswald wies darauf hin, dass seine Motoren jährlich 1,5 Terawatt­stunden Energie einsparten, was etwa dem Verbrauch von einer Million Menschen in Deutschland entspreche. Seine Vision sei es, andere Menschen davon zu überzeugen, dass es „unserer Welt guttut“, wenn Ökologie, Ökonomie und Soziales in einem guten Verhältnis zueinander stünden. (Quelle: DBU)

Link: Oswald Elektromotoren GmbH, Miltenberg • Deutscher Umweltpreis 2017: Einzelwürdigung Johannes und Bernhard Oswald

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