Ringe zu Pflug­scha­ren

Der amtierende Meister Lucas di Grassi markierte einen bedeu­tenden Sieg bei der Rückkehr des Rund­strecken­rennens in die Schweiz seit über sechs Jahrzehnten, nach Formel-1-Legende Juan Manuel Fangio in Brem­garten. (Quelle: Audi, M. Kunkel)

Seit 1954 hatte es in der Schweiz kein interna­tionales Rund­strecken-Rennen mehr gegeben. Die Rückkehr des Motor­sports lockte weit über 100.000 Zuschauer an den Stadtkurs im Banken­viertel der Metropole. Diese erlebten eine eindrucks­volle Vorstel­lung, in der WM-Titel­vertei­diger Lucas di Grassi hat Audi in der Elektro-Renn­serie Formel-E einen histo­rischen Sieg beschert. Der Brasilianer gewann in Zürich vor einer Rekord­kulisse den ersten E-Prix auf Schweizer Boden. Nach mäßigem Quali­fying ging er von Start­platz fünf ins Rennen, pflügte in nur 18 Runden aber durch die Reihen und ging am Ende mit komfortablen sieben­einhalb Sekunden Abstand auf Sam Bird durchs Ziel.

Bird von DS Virgin Racing hielt seine Meister­schafts­hoffnungen damit aufrecht, er begann das Rennen als einziger realis­tischer Kandidat für den Tabellen­führer Jean-Eric Vergne und musste den Abstand von vierzig Punkten unbedingt verringern. Die Rechnung ging auch auf, da Vergne sich in Zürich mit einem einzigen WM-Zähler begnügen musste.

Vergnes Teamkollege André Lotterer dagegen stellte seinen Techeetah auf Startplatz 2, wurde dann in Runde 16 von di Grassi überholt und erhielt kurz darauf eine Durch­fahrts­strafe, weil er zu spät auf die Full Course Yellow Geschwin­dig­keits­begren­zung reagiert hatte – genau wie Jean-Eric Vergne, Mitch Evans, Jose Maria Lopez und Sebastien Buemi. Profi­teure waren Bird und der Belgier Jerome D’Ambrosio (Dragon Racing), die so hinter di Grassi auf die Plätze kamen.

Für di Grassi war es der insgesamt siebte Triumph in der Formel-E, das fünfte Podium in Folge und der erste Sieg in der Saison 2017/18. „Es war ein groß­artiges Rennen, und ich bin extrem glücklich“, sagte der Audi-Pilot, der den Sieger­pokal von Stadt­präsidentin Corine Mauch überreicht bekam. „Das erste Rund­strecken-Rennen auf Schweizer Boden nach mehr als 64 Jahren zu gewinnen ist einfach fantastisch. Mein Audi e-tron FE04 war heute super­schnell und hat es mir erlaubt, das Rennen von Platz fünf aus zu gewinnen.“

Di Grassi schob sich mit seinem Sieg auf den dritten Platz der Fahrer­wertung nach vorn und hat vor den letzten beiden Rennen in New York am 14. und 15. Juli noch Chancen auf die Vize­meister­schaft. Seinen Triumph in der Schweiz feierte der Brasi­lianer am Abend ausgelassen mit einem Sprung in den Zürich­see – das hatte er seinem Team vor dem Rennen im Falle eines Sieges versprochen.

Nach vier Mal zweiter Platz nun der historische Sieg im ersten Zürich ePrix: Weltmeister Lucas di Grassi löst seine Wettschuld ein und springt in voller Montur in den Zücrichsee (Quelle: Audi, M. Kunkel)

Das Team Audi Sport Abt Schaeffler machte mit dem zweiten Sieg in Folge und dem dritten Erfolg der laufenden Saison elf weitere Punkte in der Team­wertung gut und liegt vor den letzten beiden Rennen nur noch 33 Punkte hinter Tabellen­führer Techeetah auf Rang zwei.

Eine noch bessere Punkte­ausbeute verhinderte Nelson Piquet. Der Ex-Champion fuhr Berlin-Sieger Daniel Abt in der ersten Runde ins Heck und riss dabei dessen Heckflügel ab. Der Audi-Pilot musste außer­plan­mäßig an die Box kommen und blieb als Dreizehnter ohne Punkte. „Die Jungs haben den Heckflügel super­schnell montiert“, sagte Abt. „Aber wir hätten ein Safety-Car benötigt, um wieder ins Rennen zu kommen. Das kam leider nicht. Ich bin sehr enttäuscht, freue mich aber für Lucas und das Team.“

„Für Daniel war es sehr schade“, sagte Audi-Motor­sport­chef Dieter Gass. „Er war bei der Kollision in der ersten Runde absolut machtlos. Trotzdem war es ein toller Tag für uns. Es war ein fantas­tischer Event mit unheimlich vielen begeis­terten Zuschauern, einer schönen Atmo­sphäre und einer tollen Anlage. Lucas ist ein fantas­tisches Rennen gefahren. Es kommt nicht so oft vor, dass man von Start­platz fünf ins Rennen geht, alle Autos vor einem auf der Strecke überholt und das Rennen gewinnt.“

„Lucas hat seine Angriffe absolut perfekt abgepasst“, sagte Team­chef Allan McNish. „Ich freue mich besonders für seine Crew, die einen schwierigen Saison­start hatte und nun wieder voll da ist. Und natürlich ist es fantas­tisch für Audi, nach dem Heimspiel in Berlin auch das erste Rund­strecken-Rennen in der Schweiz nach 64 Jahren gewonnen zu haben.“ (Quelle: Audi / FIA / Red.)

Links: FIA Formel-E, Formula E Holdings Ltd., Hongkong / LondonAudi Sport Abt Schaeffler Formel-E, Audi AG, Ingolstadt

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