Ko­ordi­niert Edel- und Sonder­metalle rück­gewinnen

Dieses Kristallaggregat enthält u.a. Indium, Germanium und Silber – mineralische und metallhaltige Rohstoffe, deren effizientere Nutzung im HZDR im Mittelpunkt steht. (Bild: HZDR / Jürgen Jeibmann)

Dieses Kristallaggregat enthält u.a. Indium, Germanium und Silber – mineralische und metall­haltige Roh­stoffe, deren effizientere Nutzung im HZDR im Mittel­punkt steht. (Bild: HZDR / Jürgen Jeibmann)

Neodym, Gallium oder Indium – diese und weitere Edel- und Sonder­­metalle sind essen­zieller Be­stand­­teil vieler Pro­­dukte, zum Bei­spiel Wind­­energie­­anlagen, Photo­­voltaik­module, Elektro­fahr­räder, Smart­­phones und Navi­­gations­­geräte. Die Nach­frage nach diesen Metallen steigt weltweit, Recycling als Roh­stoff­quelle wird des­­halb immer wich­tiger. Bisher werden die meisten Sonder­­metalle jedoch nicht oder nur in sehr geringem Um­­fang aus Alt­­pro­dukten zurück­­gewonnen. In einem vom Um­­welt­­bundes­­amt UBA initi­ierten Work­shop stellten sich Teil­nehmer aus Wissen­­schaft, Wirt­schaft und Poli­tik der Frage, wie das Recycling in Deutsch­­land vor­an­­gebracht und etabliert wer­den kann.

„Vor allem für Zukunfts­­techno­logien brauchen wir immer mehr der Edel- und Sonder­metalle. Die Ressour­cen sind endlich, Abbau und Gewinnung oft proble­ma­tisch.”, erklärte die Präsi­dentin des UBA, Maria Krautz­berger. „Dem Recycling kommt des­halb besondere Bedeu­­tung zu. Die Reali­sierung neuer Recycling­­techno­­logien muss auf vielen Ebenen stär­­ker ge­för­­dert werden. Allein Markt­mechanismen reichen als Impuls­geber nicht aus. Auch aus der Politik müssen Anreize kommen, wie beispielsweise För­der­­pro­gramme und erweiterte Recycling­vor­schriften. Das UBA wird weiterhin durch For­­schungs­­vor­haben, Inves­ti­tions­­för­de­­rungen und Netz­werk­ange­bote die Ver­besserung der Rück­­gewinnung von Edel- und Sonder­­me­tallen voran­bringen.“

Umwelt­gerechtes und umwelt­schonendes Recycling sel­tener Me­talle lässt sich nur erfolgreich gestalten, wenn Maßnahmen auf mehreren Ebenen gleich­zeitig getroffen werden. Dies ist eine zentrale Botschaft aus dem am 2. November 2015 zu Ende gegangenen Work­shop „Rück­gewinnung von Edel- und Sonder­­me­tallen“. Teil­genommen hatten 120 Wissen­schaft­lerInnen, Ent­scheidungs­trägerInnen aus Politik, Wirt­­schaft und Gesell­­schaft. Der Work­shop liefert wertvolle Infor­ma­tionen zur Weiter­ent­wicklung und Um­­setzung ver­schiedener Maß­nahmen, um das Edel- und Sonder­metall-Recycling weiter voran­zu­treiben. Konkret werden Hin­weise aus dem Workshop für die Arbeiten an einer Behand­lungs­­ver­ordnung für Elek­tro­­alt­­ge­räte genutzt. Darüber hinaus stellte das UBA die Idee einer Edel- und Sonder­metall-Roh­­stoff­­ver­­ord­nung vor, um auch weitere bisher nicht spezifisch ge­regelte Abfall­ströme möglichst intelli­gent zu lenken und so ihr Recycling zu ermög­lichen.

Eröffnet wurde der Work­shop von Markus Reuter, Direktor des Helm­holtz-Instituts Frei­berg für Ressour­cen­­techno­­logie. Er sieht die „Kreis­lauf­wirtschaft 4.0“ als Ant­wort auf die aktuellen Heraus­­for­­de­­rungen der Kreis­­lauf­­schlie­ßung der immer komplexer werdenden Pro­dukte und Abfälle:  „Um kritische Metalle zu hoch­­wertigen Pro­dukten zu recyceln, müssen wir die bestehende pro­zess­­meta­llur­­gische Infra­­struktur und neue Hoch­techno­logie-Verfahren vernetzen, um mit viel­fältigen Pro­zess­­kombi­­na­­tionen möglichst viele Me­talle und Ener­gie zurück­zu­gewinnen.“

Beispiel Neodym: Das Magnet­material Neodym steckt zum Bei­spiel in den Motoren von elek­­trischen Fahr­rädern, in Windenergieanlagen und Computerfestplatten. Bisher fehlen in der Europäischen Union Inves­­ti­­tionen der Wirt­schaft in Neodym-Recycling­anlagen, da noch kaum Magnet­mate­ria­lien aus Ab­fällen se­pa­­riert werden. Gleich­zeitig fehlt die Moti­vation zu ihrer Sepa­ra­tion, solange keine Recycling­anlagen vor­­handen sind. Zur Lösung dieses Dilemmas muss an beiden Seiten gleich­zeitig an­gesetzt werden. Hier kommt es auf eine ver­besserte Ver­netzung der  Wirt­schafts­akteure an, um durch Bünde­lung eine aus­rei­chende Menge zum Recyceln bereit zu stellen. Gleich­zeitig müssen poli­tische Maß­nahmen er­griffen wer­den: Die Ent­wicklung neuartiger Recycling­prozesse wird seit einigen Jahren durch ver­schiedene För­der­­programme des For­schungs- und des Um­welt­minis­teriums ge­fördert. Es ist nun not­wendig, bei­spiels­weise die Er­fassung und Sepa­ra­tion von zum Bei­spiel Neodym­magneten in die Recyc­ling­­vor­­schriften auf­­zu­neh­men, um die Ver­­sor­gung der Recycling­­anlagen sicher­zu­stellen. (Quelle: UBA)

Links: Umweltbundesamt UBAHelmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

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